[Ordnung, Herrschaft und Interessen #62… ]

“ … [‚Twist and Shout‘ (Danish: Tro, håb og kærlighed) 1984] … Two best friends, Bjørn (Adam Tønsberg) and Erik (Lars Simonsen), and their coming-of-age in 1963 Denmark against the backdrop of The Beatles becoming an overnight sensation throughout Europe. Bjørn is pursued by Kirsten (Ulrikke Bondo), who has her mind set on marriage, but Bjørn instead falls for Anna (Camilla Søeberg). The somber Erik cares for his home-bound mentally ill mother while his strict father rules his life. Erik desires Kirsten, but she’s unattainable to him. Pregnancy, a horrific illegal abortion, an engagement party, and a revelation about the rectitude of Erik’s father leads to a climax of events, and Bjørn and Erik must stand up to controlling adults. … Michael Wilmington of The Los Angeles Times … said [the Film] gives „a realistic look at adolescent love and its harrowing consequences, a stark portrayal of the horrors of family life, and a bitter but clear-eyed look at social barriers, the dangers of compromise and the vulnerable bonds of friendship“. …“

// – – – // [… Zwei beste Freunde, Bjørn (Adam Tønsberg) und Erik (Lars Simonsen), und ihr Erwachsenwerden im Jahr 1963 in Dänemark vor dem Hintergrund, dass die Beatles über Nacht zu einer Sensation in ganz Europa wurden. Bjørn wird von Kirsten (Ulrikke Bondo) verfolgt, die fest entschlossen ist ihn zu heiraten, aber Bjørn verliebt sich stattdessen in Anna (Camilla Søeberg). Der zurückhaltende Erik kümmert sich um seine ans Zuhause gebundene psychisch kranke Mutter, während sein strenger Vater sein Leben regiert. Erik begehrt Kirsten, aber sie ist für ihn unerreichbar. Eine Schwangerschaft, eine schreckliche illegale Abtreibung, eine Verlobungsfeier und eine Enthüllung über die Rechtschaffenheit von Eriks Vater führen zu einem Höhepunkt der Ereignisse, und Bjørn und Erik müssen sich gegen die Kontrolle von Erwachsenen behaupten. … Michael Wilmington von der Los Angeles Times … sagte, [der Film habe] „einen realistischen Blick auf die jugendliche Liebe und ihre erschütternden Folgen, zeige eine scharfe Darstellung der Schrecken des Familienlebens und einen bitteren, aber klaren Blick auf soziale Ausgrenzung, er handelt von den Gefahren des Kompromisses und die verwundbaren Bande der Freundschaft“. …] // – – – //

| https://en.wikipedia.org/wiki/Twist_and_Shout_(film)

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Freie Assoziation / Kontext …

Susan Vahabzadeh (30 März 2017): “ … In Washington fanden in der vergangenen Woche [2017] die Befragungen des designierten neuen Richters am Supreme Court statt. Dabei war auch seine Haltung zur geltenden Abtreibungsgesetzgebung immer wieder ein Thema: Würde Neil Gorsuch versuchen, das Urteil im Präzedenzfall Roe vs. Wade, das die Grundlage für die derzeitige Abtreibungsregelung in den USA ist, gerne kippen? … Viele Staaten erschweren Abtreibungen schon jetzt und haben Verbotsgesetze für den Fall in der Schublade, dass es gelingt, Roe vs. Wade zu kippen. Im US-Staat Oklahoma wird derzeit ein neues Abtreibungsrecht diskutiert, wonach für jede Abtreibung die schriftliche Genehmigung des Kindsvaters erforderlich wäre. Der republikanische Abgeordnete Justin Humphrey, der dieses Gesetz durchdrücken will, erklärt seine Position so: „Ich kann schon verstehen, dass sie“ – die Frauen – „das Gefühl haben, das sei ihr Körper.“ Verstehen kann er es, er sieht es nur anders und erklärt dann weiter, Frauen seien halt eher „hosts“, Gastgeber. Das Zitat klingt nach Mittelalter, stammt aber aus dem Februar 2017. … Damit rührt Humphrey an einen zentralen Punkt. Er stellt tatsächlich gar nicht die Abtreibung an sich in Frage, sondern wer die Kontrolle hat über den Körper einer Frau. … Kinderkriegen ist ein monströses Armutsrisiko. Es gibt Heerscharen alleinerziehender Mütter, und nein, das liegt nicht allein daran, dass Vätern von Gerichten das Sorgerecht versagt wird, auch wenn das im Einzelfall passiert. In Deutschland leben laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung (2014) 1,6 Millionen Frauen mit ihren Kindern allein, die Zahl ist in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegen, das Armutsrisiko auch … Frauen, die ungewollt schwanger sind, müssten, so Justin Humphrey, der Abgeordnete aus Oklahoma, ihre „Verantwortungslosigkeit“ ausbaden. … Und wie stehen die Dinge bei uns? Die AfD bleibt in ihren Positionen ausweislich des Parteiprogramms ziemlich unkonkret. Im Prinzip ist Abtreibung nicht so toll, soviel ist klar. Das Rezept dagegen ist die „Familie als Leitbild“, es geht um „elterliche Betreuung“. Über diesem Abschnitt steht: „Diskriminierung von Vollzeit-Müttern stoppen“. Nur für den Fall, das irgendwer noch nicht kapiert hat, wer mit „elterlich“ eigentlich gemeint ist. …“ | Aus: „Kann es Gleichberechtigung ohne das Recht auf Abtreibung geben?“ | https://www.sueddeutsche.de/kultur/gleichberechtigung-kann-es-gleichberechtigung-ohne-das-recht-auf-abtreibung-geben-1.3436601-0

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Eva Oer (24.6.2022): “ … Bisher hatte das Grundsatzurteil „Roe v. Wade“ aus dem Jahr 1973 landesweit das Recht auf Abtreibungen gesichert, bis der Fötus außerhalb des Mutterleibs lebensfähig wäre – also etwa bis zur 24. Schwangerschaftswoche. „Die Verfassung gewährt kein Recht auf Abtreibung“, heißt es nun im am Freitag veröffentlichten Urteilstext des Supreme Court, den der konservative Richter Samuel Alito verfasst hat. Sowohl „Roe v. Wade“ als auch ein bestätigendes Urteil von 1992 würden aufgehoben und „die Befugnis zur Regelung des Schwangerschaftsabbruchs wird an das Volk und seine gewählten Ver­tre­te­r*in­nen zurückgegeben“. …“ | https://taz.de/US-Gericht-zu-Schwangerschaftsabbruechen/!5863360/
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Delia Friess (25.06.2022): “ … Während Donald Trump das Urteil des Supreme Courts als „Entscheidung Gottes“ bejubelt, [sprach] Joe Biden, der selbst Katholik ist, [ ] von einem „tragischen Fehler“. …“ | https://www.fr.de/politik/usa-abtreibung-supreme-court-washington-bundesstaaten-donald-trump-joe-biden-91631297.html
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Noura Maan (24. Juni 2022): “ … Der Supreme Court hat am Freitag mit sechs zu drei Stimmen entschieden, das Grundsatzurteil Roe vs. Wade aus dem Jahr 1973 zu kippen. … Den Weg dorthin bereitet hat das Wahlergebnis von 2016: In die Amtszeit des Republikaners Donald Trump fielen drei Besetzungen im Supreme Court. Auch wenn Rechtspopulisten nur kurzzeitig an der Macht sind, man sie „aus Frust gegen das Establishment“ wählt, hat das ernsthafte Konsequenzen. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000136873827/supreme-court-kippt-roe-vs-wade-ein-albtraum-wird-realitaet
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Zu: https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-06/schwangerschaftsabbruch-usa-roe-vs-wade-protest

Christian G. #7: “ … Richter, die der Partei nahestehen, die sonst die Freiheit vor gemeinschaftlicher Verantwortung sehen, haben nun konträr dieser Linie gegen die Freiheit – von Frauen – entschieden. … [‚Staaten können Gebärmütter regulieren, aber keine Waffen?‘] … „
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Dominic GD #48: “ … Demokratie wird [ ] von vielen gerne als Argument verwendet. Ist ja nicht schlimm, dass Frauen ihr Recht über ihren Körper verlieren. Es ist ja demokratisch geschehen. Also ich finde, dass es auch für die Demokratie Grenzen gibt. Und über meinen Körper (Abtreibung, Sterbehilfe, Ehe) möchte ich selbst entscheiden. Es ist mein Körper. Das ist Freiheit. …“

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Zu: https://www.zeit.de/gesellschaft/2022-06/usa-abtreibungsrecht-supreme-court-protest-fs-2

sittingbull #16: “ … Diese Gerichtsentscheidung ist kein Beginn einer Entwicklung, sondern deren ungebrochene Fortsetzung, die mit dem Machtantritt Trumps offen in das Bewusstsein der Bürger katapultiert wurde und dort nun weiter ihr Unheil anrichtet. … Bezahlen werden dafür Frauen, deren Körper in einer Extremsituation zu öffentlichem Eigentum wird, womit sie ihre Selbstbestimmung beraubt und um Generationen zurückgeworfen werden. …“
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(25 Juni 2022): “ … Das Urteil hat allerdings auch seine Fans. Neben großen Teilen der republikanischen Partei, verschiedenen erzkonservativ-christlichen Organisationen, Vatikan inklusive, begrüßen auch rechtsextreme Gruppierungen den Entscheid. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000136884554/aus-fuer-abtreibungsrecht-rechtsextreme-feiern-urteil-des-us-hoechstgerichts
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Oligarchenneffe: “ … Nicht nur in den USA feiern Rechtsextreme das Urteil des US-Höchstgerichts. Auch auf der österreichischen katholischen Hetz-Seite kath.net sind reaktionäre Rechtsradikale ganz aus dem Häuschen, als hätten sie das erste mal im Leben einen Orgasmus. „God bless Donald Trump“ und ähnlicher Schwachsinn ist dort in den User-Foren zu lesen. …“
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Zu: https://www.zeit.de/gesellschaft/2022-06/schwangerschaftsabbruch-roe-v-wade-frauen-usa

KalbshaxeFlorida #1 :“ … So eine Entscheidung sollte eigentlich ausschließlich oder zumindest überwiegend von Frauen bzw. Müttern getroffen werden. …“
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RGFG #1.1: “ … Die entscheidende Stimme kam von einer jüngeren weißen Frau, die extra deswegen von Trump und den Republikanern in den Supreme Court gehievt worden war. …“
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Jadoo6 #1.71: “ … Das Problem ist die Rückkehr zu einer bigotten Moral der Konservativen, die sich zwar jedes Recht gerne als Elite herausnehmen, aber Menschen ohne Einkommen oder Opfer von Verbrechen behandeln, als ob diese ein quasi göttlicher Schicksalschlag getroffen hätte. Es geht um Macht, eine sehr bösartige Art von Weltanschauung und doppelte Moral. …“

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #76 … ]

Internetfund via ZombieLife

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Hans-Martin Lohmann (21.02.2005): “ … Männer, so lässt sich das zusammengetragene ethnologische Material und die wissenschaftliche Literatur darüber interpretieren, haben den starken unbewussten Wunsch, ihre ursprüngliche sexuelle Abhängigkeit von den Frauen zu verleugnen … Prinzipiell ist daher in der ambivalenten bis feindseligen Einstellung des Mannes zu seinen weiblichen Sexualobjekten die Idee der Vernichtung des Objekts und seiner Surrogate unbewusst immer enthalten… Eine der Hauptquellen für Frauenhass wäre dann der Hass auf das eigene (sexuelle) Begehren, für das die Frau verantwortlich gemacht und deshalb bestraft wird. … Pohl [pocht] auf das elementare Gewicht einer spezifisch zugerichteten männlichen Sexualität, ohne deren platter Naturalisierung oder Ontologisierung zu verfallen. … “ | Aus: „Rolf Pohl: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“ | https://www.deutschlandfunk.de/rolf-pohl-feindbild-frau-maennliche-sexualitaet-gewalt-und-100.html
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“ … Als Psychotherapeut und Supervisor habe ich sehr von der Lektüre profitiert, weil Rolf Pohl Ausflüge zur Anthropologie, Ethnologie und Soziologie macht und zusammenträgt, welche fassungslos machende Fülle an Frauenfeindlichkeit es in verschiedenen Kulturen gab und gibt und wie Zusammenhänge zu aktuellen Phänomenen zu sehen sind. Bestürzend, desillusionierend, aufrüttelnd und aktivierend, Schluß zu machen mit dem Spuk. …“ (Über: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen., 11. August 2015)
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“ … Der Diskurs über die ideale Frau spiegelte sich auch in dem über deren Antithese wider, nämlich über Frauen, die entweder kriminell oder durch sonstiges deviantes [von der Norm abweichendes] Verhalten auffällig waren. … In den 1920er und 1930er Jahren intensivierte sich, angeregt durch die Rezeption westlicher Forschungen zur Evolution, Kriminalität, Psychologie und Psychoanalyse – insbesondere der Schriften von Richard von Krafft-Ebing und Sigmund Freud – die Ansicht, jegliche Art weiblicher Sexualität und die Neigung zu kriminellem Verhalten stünden in einem kausalen Zusammenhang. … Anhand der Nachzeichnung der historischen Genese der dokufu [‚evil woman‘] … bis hin zu einem ubiquitären Topos eines weiblichen ›Anderen‹ in der Unterhaltungs- und Populärkultur sowie der Medizin, Psychologie und den Sozial- und Kulturwissenschaften der Nachkriegszeit zeigt sie überzeugend auf [Christine L. Marran: Poison Woman. Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press (2007)], dass die sozialen und kulturellen Konstruktionen von deviantem Verhalten ebenso wie dessen mediale Repräsentationen im historischen und politischen Kontext der Formierung des japanischen Nationalstaates zu sehen sind. Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Darstellung von Geschlechterbildern und –beziehungen in den Medien – Literatur, Journalismus, Theater, Film – einer ideologischen Instrumentalisierung unterliegt. Marran zeigt auf, wie sehr der Diskurs über kriminelle und deviante Frauen in den über den Modernisierungsprozess Japans eingebettet ist. …“ | Aus: Evelyn Schulz: „Giftmischerinnen, Vagabundinnen und Erotomaninnen“ Eine Literatur- und Mediengeschichte krimineller und devianter Frauentypen im modernen Japan – IASLonline [17.02.2009]| http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2722
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“ … Willi Jaspers Buch [‚Die Jagd nach Liebe‘ Verlag S. Fischer Frankfurt/Main 2007, 410 Seiten] beschreibt Heinrich Mann als einen ausgemachten Erotomanen … Erotik war für den Künstler jedoch auch immer ein geistiges „Prinzip“, er wollte „sinnlich denken“ und trachtete danach, seine Literatur „ins Weibliche zu übersetzen.“ … Willi Jasper zeichnet die Biographien von insgesamt neun Frauen aus Heinrich Manns Leben nach, die fast alle auch in sein Werk Einzug hielten. …“ | Joachim Scholl „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ (13.04.2007)| https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-kopf-bis-fuss-auf-liebe-eingestellt-100.html
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“ … Caravaggio stieß seine Zeitgenossen auch durch sein wildes und abenteuerliches Wesen, seinen Lebensstil und seine zahllosen Affären vor den Kopf. Dennoch erhielt er mehrere Aufträge für große Gemälde. Sein Werk folgte naturalistischen Gesetzen und bezog einfache Menschen von der Straße mit ein, die er als Modelle für seine großformatigen, religiösen und mythologischen Szenen benutzte. Als er von 1600 an diese Tendenz in seinem Werk entwickelte, geschah es oft, dass die Auftraggeber seine Gemälde wegen ihrer Ungehörigkeit oder theologischen Fragwürdigkeit ablehnten. Sein Werk weckt im Betrachter tiefe Gefühle. Obwohl von Vielen verurteilt, wurden seine Innovationen bald gefeiert, und Caravaggio gewann die Achtung seiner Zeitgenossen. Zuweilen geriet er durch Schlägereien in Schwierigkeiten. Am 28. Mai 1606 geriet er nach einem Spiel in Streit und tötete seinen Gegner. Zum Tod verurteilt, floh er im Alter von 35 Jahren aus Rom. … Nichts an Caravaggios Werk ist trivial, und ihre physische und moralische Komplexität bringt auch im modernen Zuschauer eine Saite zum Klingen. Die langen Schlangen vor der Ausstellung zeigen, dass die Menschen nicht nur den Wunsch haben, diese Bilder zu betrachten, sondern dass sie auch nach der komplexen Wahrheit der Menschlichkeit suchen. …“ |Aus: „Dunkle und komplexe Schönheit“ Paul Bond (2007) | https://www.wsws.org/de/articles/2007/01/cara-j03.html

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“ … Als Sujet für meinen Vortrag habe ich die Femme Fatale gewählt, die gefährliche Frau, die angeblich die Männer verschlingt. … Im Juli dieses Jahres [2006: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatsaff%C3%A4ren] kam Claude Chabrols Film „Geheime Staatsaffären“ in die deutschen Kinos. … Obwohl mit dem Filmtitel die Korruptionsaffäre europäischen Ausmaßes bei der Deregulierung der Mineralölwirtschaft Frankreichs und der DDR in der Wendezeit angesprochen ist, macht der Film bei der Schilderung dieses brisanten Politikums die Richterin zur Hauptfigur. Isabelle Huppert wird mit roten Handschuhen und dem mehr als eindeutigen Namen „Jeanne Charmant Killman“ bei ihrem kurzen Aufstieg in der Männergesellschaft zur heutigen Femme Fatale. „Madame Piranha“ kommentiert der Tagesspiegel, „Richterin und Raubtier“ die taz. Der Fluss der Korruptionsgelder wird zur Nebensache, die europäische Dimension nicht erwähnt. Die politische Affäre wird feminisiert unter dem Einsatz einer offenbar immer noch überzeugenden Weiblichkeitskonstruktion, die hier für die zynische Parabel steht, das jeder des anderen Feind sei. Mit diesem mörderischen Frauenbild wird der für Frauen heutzutage durchaus begehrte Posten in der Berufswelt verstellt, um strukturelle gesellschaftliche Probleme nationaler Ökonomien im Neoliberalismus als feminisierte Personalisierung im Film „sichtbar“ zu machen. … Gefährliche Weiblichkeit, die nach damaliger Auffassung an die Sexualität der Frau gebunden ist, wird im Mythos verankert und in der sogenannten Natürlichkeit des weiblichen Körpers ganz allgemein erkannt. … Ein Beispiel des Vorsprungs der Malerei: Im Jahr 1908, also 15 Jahre bevor Erich Wulffen 1923 erreichen wollte, „daß das Bild des weiblichen Verbrechers – … plastisch – vor unseren Augen steht“, arbeitete der Maler Albert von Keller der Wulffenschen These von der „geborenen Sexualverbrecherin“ mit dem Bild „Liebe“ den Wissenschaftlern zu. Der Band „Das Weib als Sexualverbrecherin“ erschien an prominenter Stelle in der Enzyklopädie moderner Kriminalistik erst 1923. Darin versuchte Wulffen die von Lombroso 1894 aufgestellte, aber von anderen Wissenschaftlern zurückgewiesene These, des tendenziell kriminellen Charakters aller weiblichen Sexualität erneut zu bekräftigen. Keller griff in seinem vielfach reproduzierten Gemälde die bewährte Salome-Ikonographie auf und vereinte sie mit der Geschichte der aktiven Judith. Ein Opfer liegt hinter ihr und greift noch im Tod nach dem abgeschnittenen Haar, ein abgeschlagener Kopf zu ihren Füßen, bedrohlich auffordernd blickt sie auf die Betrachter des Bildes. Das Serielle ihrer Morde in diesem „Liebe“ genannten Bild ist mehr als angedeutet. Wulffen setzte 1923 diesem Weiblichkeitsbild den „Mutterschoß“ als „heiligen Boden“ entgegen, denn „die Jugend steigt aus dem Schoße der Mütter des Landes hervor“. „Gesunde Sexualität“ im Sinne der Fortpflanzung der Art wurde zu dem offiziellen Diskurs im Sozialstaat der Weimarer Republik. (Wenk, Versteinerte Weiblichkeit) In Opposition dazu zerstückelten die Maler der Avantgarde – wie Otto Dix aus Lust den ganzen weiblichen Akt als kriminelle Handlung und als künstlerische Tat im Bild. Sie machten den Mord zu ihrem unsterblichen Werk. Fragen wir abschließend noch einmal, welches Konstrukt zu welcher Zeit welchen Zweck erfüllte und wem es diente: Bei dem zuletzt genannten Lustmord arbeiteten die Künstler nach 1918 Gewalterfahrung an Bildern des Weiblichen ab. Sie reagierten als neue Täter auch auf das in der Sphinx und der Salome präsentierte Frauenbild. Sowohl in dem Film „Geheime Staatsaffären“ von 2006 als auch bei den Bildern von Salome und Sphinx wird das Konstrukt Femme Fatale eingesetzt. War es damals die sexuell aktive Frau, die zwar im Bild genossen, aber zugleich skandalisiert und abgewehrt wurde, so wird im Film 2006 eine Relation zwischen kastrierender, ja mörderischer beruflicher Tüchtigkeit der Frau und ihrem Versagen in den ehelichen Beziehungen hergestellt. Claude Chabrol lässt Jeanne Charmant Killman in der Schlusszene ihren Beruf – und damit ihre Macht – aufgeben und mit dem jungen Mann im Auto davon fahren. Statt eines versuchten neuen Konstruktes, das den Plot bis hierhin bestimmt hatte, wird nun an das altbekannte Muster erinnert. …“ | Aus: „Fatale Konstrukte: Bildende Kunst und Sexualwissenschaft im Dialog“ Kathrin Hoffmann-Curtius (27.10.2006) | http://www.hoffmann-curtius.de/PDF/femme_ge.pdf

Parsifals Versuchung“ (Arthur Hacker, 1894)

[Wirklichkeitsbezug #11 … ]

„Wir bewegen uns auf eine neue Klassenspaltung zu, die nicht mehr auf Geld beruht, sondern auf der Fähigkeit, seinen kritischen Geist einzusetzen und Informationen zu sortieren.“ – Umberto Eco, Jean-Claude Carrière, Stephen Jay Gould, Jean Delumeau: „Das Ende der Zeiten“, DuMont Verlag Köln 1999
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Rüdiger Suchsland „Der Zynismus moderner Massenmedien“ (18. Juni 2022): “ … es geht gar nicht mehr darum, dass die Journalisten in ihrer Arbeit bewusst manipulieren – sondern darum, dass sie gar nicht mehr begreifen, dass man auch anders über das Weltgeschehen berichten könnte, als in der Abfolge von politischer Krise und moralischer Klarheit. Oder dass die Journalisten wenigstens verstehen, dass man die Dinge durchaus verschieden beurteilen könnte, dass es Wirklichkeit, Gewissheit und Wahrheit (leider) in den Medien, jenseits dem von ihnen Gezeigten nicht gibt, und dass es eben um diese Darstellung von Ungewissheit und Unklarheit, um Irritation, nicht Beruhigung, um Kompexitätssteigerung, nicht -reduzierung gehen müsste. … “ | https://www.heise.de/tp/features/Der-Zynismus-moderner-Massenmedien-7144919.html?seite=all
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Screenshot: n-tv (23.06.2022)
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Axel Schmidt („Medien und Medienkommunikation“, 2018): “ … Medien leisten nicht nur einen über unmittelbare Situationen hinausgehenden Kontakt, sondern sie sind im Falle medialer (insbesondere massenmedialer) Produkte zu dem kulturelle Artefakte, die etwas anderes zeigen als sich selbst. … “ | https://ids-pub.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/7075/file/Schmidt_Medien_und_Medienkommunikation_2018.pdf
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Klaus Beck („Harry Pross – Signalökonomie und „neue Kommunikationspolitik“, 2015): “ … Adorno und Benjamin, Lippmann und McLuhan – was haben sie und andere „Klassiker“ der Medien- und Kommunikationswissenschaft heute noch zu sagen? … Harry Pross begreift im Anschluss an Ernst Cassirer, Charles Sanders Peirce und Susan K. Langer den Menschen als das Wesen, das Symbole gebraucht und sich damit grundlegend vom Tier unterscheidet. Als Menschen leben wir in einer symbolisch konstruierten Welt von Bedeutungen: „Es führt kein Weg von Mensch zu Mensch, von ihm zu anderen Lebewesen und zur Natur als über Zeichen“ (Pross 1996:32). Für Pross ist unsere Realität – ganz im Sinne von Berger und Luckmann – gesellschaftlich konstruiert (vgl. Beth/Pross 1976: 110). … Die Sprache (mit dem Stimmlaut als ihrem physikalischen Träger) fungiert bei Prossals ein elementares, primäres Medium des unmittelbaren persönlichen Gesprächs, das sich funktional so grundlegend von anderen Formen der medientechnisch vermittelten Kommunikation unterscheidet, dass er es für „das wichtigste Kommunikationsmittel der abendländischen Geschichte“ (Pross 1967:14) und bis heute für unersetzlich hält (vgl.Pross 1972b:23), … Die sekundären Medien Schrift, Musik, Druck und Graphik unterscheiden sich qualitativ von den primären, weil sie auf physikalisches Gerät für die Produktion und den Transport der Zeichen angewiesen sind. Auch Feuer- und Rauchzeichen, Flaggen und Wimpel, Brief und Plakat zählen als historische und aktuelle Medien zu den sekundären Medien … Die tertiären Medien benötigen technische Apparate und Netze für Produktion, Transport und Rezeption der Signale. Neben den von Pross genannten Telegraph, Telefon, Fernschreiber, Radio, Television und Film zählen hierzu alle elektronischen und digitalen Medien (vgl. Pross 1996: 38, 108). … Die journalistischen Regeln der Selektion, Platzierung, Formatierung, Reduktion auf visuelle Oberflächenreize bis hin zum „Medienkitsch“ sind der Signalökonomie geschuldet, erschweren aber Reflexion und Erkenntnis: „Kitsch zielt auf Zeitgewinn. Die Wahrheit aber braucht Zeit“ (Pross 1983b:7). „Die elektronischen Medien aber sind ihrer Struktur nach auf Flüchtigkeit angelegt. Mehr Zuschauer heißt mehr ‚universelle Metaphern‘ ins Programm und zeitlich kürzen bis zum Bedeutungsverlust. Daraus entsteht dann global über Satelliten, was man in der Unterhaltung wie in der Information ‚internationalen Kitsch‘ nennen muß“ (Pross 1984: 14-15). Die Signalökonomie steht im engen Zusammenhang zur ritualisierten Medienkommunikation, die „durch geregelte Wiederholung … Ordnung in die Praktiken der Kultur[bringt], indem sie die organische Lebenszeit der Subjekte in gleiche Mitteilungen einbindet“ (Pross 1983a:8) und damit – auf effiziente Weise – synchronisiert. Die leichtverständliche „Wiederholung des Momentanen als aktuelles Element unterliegt der minutiösen Ökonomie der Signale“ (Pross 1983a:11). … Pross [begreift] „die sozialeFrage … nicht nur [als] eine ökonomische, nicht nur eine politische, sie ist vor allem eine publizistische Frage, eine des Umgangs mit Medien, eine Frage der Wahrnehmungsweisen und der Vergegenwärtigungskompetenz“ (Pross 1972b:52). Heutzutage würden wir eher von Agenda Setting, Priming und Framing oder gar von der „Filter Bubble“ (Pariser 2011) sprechen. … Grundlegend ist die anthropologische Sicht des Menschen als Mängelwesen und animal symbolicum (Cassirer). … Historisch und analytisch gilt es, die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten selbstbestimmter Kommunikation zu ermitteln, normativ geht es darum, die größtmögliche Selbstbestimmung in der Kommunikation durchzusetzen, auch und gerade gegen eine fremdbestimmte Indienstnahme durch Staat oder Unternehmen. Kommunikationsfreiheit ist, wenn man die Systematik von Pross ernst nimmt, unteilbar: als innere und äußere Presse- bzw. Medienfreiheit ist sie grundlegend für den publizistischen Prozess der sekundären und tertiären Medien, aber auch als Selbstbestimmung auf der Ebene der primären Medien genießt sie bei Pross höchste Priorität. …“ | https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/1615-634X-2015-4-489/titelei-inhaltsverzeichnis-jahrgang-63-2015-heft-4?page=1

[Zeit im Bild #58 … ]

Paul Tomkowicz: Street-Railway Switchman
In this film, Paul Tomkowicz, Polish-born Canadian, talks about his job and his life in Canada. He compares his new life in the city of Winnipeg to the life he knew in Poland, marvelling at the freedom Canadians enjoy. In winter the rail-switches on streetcar tracks in Winnipeg froze and jammed with freezing mud and snow. Keeping them clean, whatever the weather, was the job of the switchman. Directed by Roman Kroitor – 1953 | 9 min
–> https://youtu.be/lYPACCoJsSg | https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Kroitor

[Identitätspolitik (Kulturelles Unterbewusstsein) #7… ]

Vintage Auflauf | via

Franziska Schutzbach (12.08.2019): “ … Polarisierung, das machen schliesslich nur andere, wie Gujer behauptet: „Die einen rufen „Lügenpresse“, die anderen nur noch „Rechte“ oder „Nazis“. Beide Seiten verhalten sich wie verfeindete Stämme.“ Rechte und rechtsextreme Positionen sind aus Gujers Sicht also das gleiche wie linke. Ob man Pluralismus angreift oder diese Angriffe kritisiert, ist angeblich beides irrationale Polarisierung. In der Forschung nennen wir das Äquidistanz: Man stellt links wie rechts als gleich extrem dar, und gibt sich dadurch selbst als un-ideologisch. Die NZZ erscheint auf diese Weise als die „bürgerlich-liberale“ vernünftige Option zwischen durchgeknallten Irren … Ich persönlich denke, dass es wichtig ist, rhetorische Prozesse zu verstehen und ihnen dadurch etwas entgegensetzen zu können. Aber es ist nicht das wichtigste, man kann auch mit wenig Analyse beherzt für eine solidarische Gesellschaft einstehen. … mir geht es darum zu analysieren, wie rechtes und rechtsextremes Denken mittels rhetorischen Verschiebungen gesellschaftsfähig wird. Daneben plädiere ich aber in meinem Kapitel über Gegenstrategien auch klar dafür, dass wir nicht wie Motten um Gegner kreisen sollten …“ | https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/was-ist-rechte-rhetorik
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// https://www.zeit.de/gesellschaft/2022-06/ferda-ataman-anti-diskriminierung-privilegien (comments)

Ernst Acht #175: “ … „Vorgeblich entzündet sich dieser Zorn an der „Kartoffel“ – mit diesem Wort habe Ataman Deutsche „verspottet“, behauptete die Bild in einer Überschrift – um diese Behauptung im Artikel selbst dann dahingehend abzuschwächen, sie habe die Bezeichnung in einer Spiegel-Kolumne von 2020 „verteidigt“.“ …“
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ResponsibleGambling #173: “ … Die BILD wie ein Nichtschwimmer in einem verzweifelten Überlebenskampf. …“
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mahna mahnam #17: “ … Aus Atamans Kolumne: „Und es geht um Macht: manche wollen einfach nicht die Deutungshoheit abgeben. Wer in Deutschland wen als was bezeichnen darf, soll immer noch die „Mehrheitsgesellschaft“ bestimmen, also die weißen Deutschen. Doch so läuft das nicht mehr. In einer Einwanderungsgesellschaft kann nicht eine Gruppe allein bestimmen, wie alle bezeichnet werden. Das Suppengemüse redet im Knollendiskurs jetzt mit und nennt die Kartoffeln auch mal Alman(i)s oder Biodeutsche. …“
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Dagehtnochwas #17.1: “ … „Es geht nämlich um Macht und die Demonstration von Macht.“ Im ersten Teil haben Sie Recht, es geht um Macht. Aber im 2. Teil liegen Sie völlig falsch. Es wird lediglich der allumfassende Machtanspruch auf Deutungshoheit der Biodeutschen angesprochen. Man kann sich davon natürlich schon „bedroht“ fühlen, wenn man zur privilegierten Gruppe gehört. …“
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Sumu #17.5: “ … Privilegiert ist jene Gruppe die ungestraft öffentlich andere mit „spassigen“ Bezeichnungen belegen darf. …“
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mahna mahnam #17.8: “ … Es geht nicht um „wir“ und „ihr“ sondern um Teilhabe aller an allem. …“
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KatSi #2.49: “ … Meine Freunde machen Kartoffelpartys wenn sie die deutsche stabü haben. Kennen den Begriff nur positive besetzt. Aber es geht im Artikel ja darum das Frau Ataman etwas unterstellt werden soll was sie nicht gesagt hat …“
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Bitte bleiben Sie konstruktiv #2.50: “ … „Deshalb nochmal ganz langsam: Ataman hat nicht Deutsche als Kartoffeln bezeichnet. Das wuessten Sie, haetten Sie diesen Artikel hier gelesen.“ — Nein. Sie macht es subtil. Sie verteidigt einerseits die Zuschreibung als harmlos, andererseits verleiht sie mit ihrem Verein die „Goldene Kartoffel“ für herausragenden Rassismus, also für „besondere Kartoffeligkeit“. …“
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mahna mahnam #1: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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berlinerin73 #2: “ … In meinem Umfeld geht das [Kartoffel] mittlerweile als scherzhafte Selbstbezeichnung durch. ..:“
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Gerald1 #2.1: “ … Oh, das ist ja toll. Aber ich nehme mal an, Sie sind keine Antidiskriminierungsbeauftragte. …“
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Treverer #2.2: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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Gerald1 #2.3: “ … Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. …“
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berlinerin73 #2.4: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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DrJohnBecker #2.8: “ … Die Kartoffel ist übrigens auch eine „Migrantin“. …“
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Jessy Thinkman #2.9: “ … entweder einigen wir uns darauf alle Menschen als gleiche unter gleichen zu behandeln und sprechen miteinander auch so (was ich befürworte) oder wir akzeptieren irgendwelche Sonderbegriffe zur schmähenden Gruppierung (was ich ablehne). Ein „diese Gruppe kann halt wegen X damit leben“ ist entweder falsch oder entwertet schon wieder andere Gruppen, denen man das nicht zutraut oder zumutet damit zu leben.
Wer mich als „Kartoffel“ bezeichnet müsste halt damit leben, dass ich ihm nicht mehr zuhöre, egal welche Begründung da aufgefahren wird warum ich das nicht negativ empfinden könne und ebenso bezeichne ich andere nicht als irgendein Lebensmittel oder Tier und denke mir ne Begründung aus, warum die das bitte nicht stören solle. TL,DR Einfach höflich und nett zueinander sein und solche Debatten haben sich erledigt. …“
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DrJohnBecker #2.12: “ … Wenn Sie sich mal mit der Herkunft anderer diffamierender Begriffe für Volksgruppen befassen, müsste Ihnen eigentlich klar werden, dass man bei der Bezeichnung Kartoffel eben doch mit zweierlei Maß messen muss. Ich verstehe Ihren Punkt, aber er erscheint mir eher lächerlich vor diesem Hintergrund. …“
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Gerald1 #2.14: “ … Bei der Diskriminierungsdebatte geht es doch besonders immer darum, was andere als beleidigend empfinden. Vieles was früher lustig war ist es heute nicht mehr. Deshalb liegt es wohl nicht bei Ihnen zu entscheiden was hier lächerlich ist. …“
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Freispruch mit lebenslänglich #2.16: “ … Kochbücher meinen das Kümmel gut zu Kartoffeln paßt. Ich hab das nie verstanden und bleib bei Rosmarin und Majoran. …“
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schmitzblitz #19: „… Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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Jupatja #41: “ … Anhand dessen, wieviel Kommentare hier gelöscht wurden, wird deutlich, wie sehr das Thema uns an die Nieren zu gehen scheint. Ich habe noch nie derartig viele Seiten mit gelöschten Kommentaren hier auf Zeit Online entdeckt bei einem Artikel. Da scheint jemand genau den Punkt getroffen zu haben, der echt schmerzt. …“
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phocs #43: “ … Vielleicht sollte man als Biodeutscher nicht unnütz beleidigt sein, wenn man „Kartoffel“ genannt wird …“
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Sumu #43.2: “ … Alleine die … Gelassenheit erhebt den Schreiber über die ganzen Befindlichkeitsneurotiker. …“
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ArribaChinchita #11: “ … „im konservativen Feuilleton“ Manchmal ist ein zuviel an Höflichkeit peinlich. Das sind überwiegend in den muffigen Adenauerjahren hängengebliebene Peinlichkeiten, die im Hause Springer und in Frankfurt ihr Austragshäusl bewohnen. Typische Salzkartoffelesser eben. …“
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Wullewux #44: “ … Wer regt sich (künstlich) auf? Das Dreigestirn BILD, Welt und Focus – schon allein deshalb nicht ernst zu nehmen. Die drei sind gerne auf der Suche nach „Aufregern“, die dabei helfen, woanders zitiert zu werden. Mit Journalismus hat das meist nichts zu tun, sondern gehört in die Abteilung PR. …“
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Margot Melzer #37: “ … Kennt noch jemand Asterix? „Asterix und die Goten“? Der französische Blick auf die deutschen Nachbarn. Dort sprechen die Goten in Frakturschrift und tragen Pickelhaube. Sie achten sehr auf Regeln, zumindest, wenn andere diese einhalten sollen. Der ostgotische Grenzsoldat muss bei Einfuhr ausländischer Ware (ein gallischer Druide) zunächst seinen Vorgesetzten fragen. Erfolge werden einhellig mit „Es lebe Rhetorik, unser Chef“ gefeiert. Etwas mehr Gelassenheit im Genuss kultureller Darstellungen könnte auch beim Kartoffelthema hilfreich sein. Jetzt mach‘ ich mir noch ’ne Krautrock CD an… „
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Ondine #16: “ … Ich frage mich, wie aktuell das Deutschland-Bild der Integrationsbeauftragten eigentlich ist. Nach meinem Eindruck, wenn ich mich so im Supermarkt umschaue, kaufen die Deutschen heutzutage viel mehr Pasta als Kartoffeln. Klar, ist ja sich einfacher zuzubereiten. Kartoffeln werden allenfalls als Fritten gern gegessen. Restaurants mit deutscher Küche gibt‘s auch kaum noch, dagegen ganz viel Döner und Sushi. …“
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ArribaChinchita #16.1: “ … Das Deutschlandbild im Discounter zu Beginn von Corona: Bei uns war Klopapiermangel, in Frankreich gingen die Kondome aus. …“
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Volker Beck #16.3: “ … Daher wäre es vielleicht an der Zeit, die Deutschen nicht mehr als Kartoffel zu bezeichnen, sondern treffender als Nudel, Tofu oder Klopapier. …“
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sinea #18.5: “ … „Die Kartoffel ist hier nur eine Nebelkerze.“ Danke, Sie bringen es auf den Punkt. …“
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Dogwalker #29: “ … Ich mag Kartoffeln – wo ist das Problem? …“
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talktome #29.1: “ … Ich mag auch Spaghetti. …“
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die_andere_meinung #29.2: “ … Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/tba …“
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Ingo Heumann #29.3: “ … Kümmel ist auch sehr lecker …“
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Bitte bleiben Sie konstruktiv #2.47: “ … „Rosmarin, Parmesan und Olivenöl. Das ist lecker“ Ja. Aber auch: Backkartoffel mit Butter, Salz und Kümmel. Ein Traum! …“
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Geraldao #4: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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Philea #4.1: “ … Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. …“
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BrunoBrenner #179: “ … Mir scheint die Gruppe derjenigen, die sich über den Kartoffel-Begriff echauffieren hat große Überschneidungen mit der Gruppe von Leuten, die, wenn es um tatsächlichen sprachlichen Rassismus geht, gerne empfehlen man solle sich nicht so haben, es sei ja nicht böse gemeint, das habe man schon immer gesagt und überhaupt lasse man sich von der Sprachpolizei nichts vorschreiben. …“

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Nachtrag: #1

Ronya Othmann (26.06.2022): “ … Eine andere Sache, die in diesen Ta­gen ebenso wie die potentielle Antidiskriminierungsbeauftragte die Schlagzeilen füllt, ist die Documenta mit ihrem riesigen Wandgemälde des indonesischen Kollektivs Taring Padi, auf dem ein Schwein mit Davidstern und „Mossad“-Aufschrift und ein Mann mit Kippa, Zigarre und SS-Zeichen auf dem Hut zu sehen sind. Auf den ersten Blick ha­ben diese beiden Themen wenig miteinander zu tun, außer dass Antisemitismus, wenngleich er ein paar Wesensunterschiede zum Rassismus aufweist, auch in den Zuständigkeitsbereich einer Antidiskriminierungsbeauftragten fällt. Doch wenn man genauer hinsieht, lassen sich Berührungspunkte ausmachen in beiden Debatten, die Frage nach doppelten Standards: Wie bewerten wir Rassismus und Antisemitismus, je nachdem, von wem er kommt? In dem Statement der Gruppe Taring Padi heißt es, die Bildsprache sei kulturspezifisch auf ihre eigenen Erfahrungen bezogen, die Figuren würden nämlich in Indonesien häufig verwendet, „um ein ausbeuterisches kapitalistisches System (…) zu kritisieren“, und die Arbeit werde nur „in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden“. Dabei verkennen sie, dass Anti­semitismus nun mal Antisemitismus ist, ob in Deutschland, Mexiko oder Indonesien, einem Land in dem kaum Juden leben. Und dass es eine lange Tradition der „Kapitalismuskritik“ gibt, die in antisemitischen Bildern daherkommt und de­ren Bildmotive sich vom mittelalter­lichen Wittenberg über Yogyakarta bis ins zeitgenössische Kassel ziehen (Stichwort „Judensau“). Sowohl die Debatte um die Documenta als auch um die Antidiskriminierungsbeauftragte deuten auf blinde Flecken gegenwärtiger antirassistischer und postkolonialer Diskurse hin. Und gerade in ihnen zeigt sich der Wi­derstreit kulturalistischer und universalistischer Positionen. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/documenta-die-blinden-flecken-antirassistischer-diskurse-18125109.html
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“ … Die Hetze gegen Walther Rathenau begann schon Monate vor dem Anschlag der rechtsextremen Terroristen aus besten Kreisen, erzählt die Rathenau-Biografin Shulamit Volkov in einem Porträt für die Zeit: „Antisemiten attackierten ihn als Juden, andere wollten in ihm unbedingt einen Kriegsprofiteur, einen skrupellosen Kapitalisten, einen Volksfeind sehen. Seit 1920 folgte eine Todesdrohung der anderen. …“ | Aus: „9punkt – Die Debattenrundschau: Wer in Russland BMW fährt – Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr (23.06.2022) | https://www.perlentaucher.de/9punkt/2022-06-23.html
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“ … Konzepte, die Kultur nicht als historisch konstruiert und nicht als veränderbar betrachten, und in denen Vorstellungen von Kultur „in einem solchen Maße verdinglicht und essentialisiert werden“, dass Kultur „zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs wird“, werden von einigen Forschern als „Kulturalismus“ oder „kultureller Rassismus“ bezeichnet: John Solomos und Les Back vertreten beispielsweise die Auffassung, dass Rasse heute „als Kultur kodiert“ werde und dass „das zentrale Merkmal dieser Prozesse darin besteht, dass die Eigenschaften von sozialen Gruppen fixiert, naturalisiert und in einen pseudobiologisch definierten Kulturalismus eingebettet werden.“ … Solchen Konzepten zufolge wird „Kultur“ als eine unüberwindliche Schranke betrachtet, die politisch nicht zu überwinden sei. Entsprechende naturalisierende und biologisierende Argumentationen kämen sowohl im Rechtsextremismus als auch in verkürzten ethnopluralistischen Ansätzen der Neuen Rechten in der Gestalt von „Kulturalisierungen der Differenz“ (Müller) vor. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturalismus (26 Juni 2022)
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Sama Maani: „Die Krux mit der Migrantenliteratur“ (November 2018): “ … Ich hatte mich immer gefragt, warum wir selbstverständlich von Migrantenliteratur reden, nicht aber – zum Beispiel – von „Migrantenphilosophie“. Bis mir mein Freund, der brillante deutsch-indische Philosoph Pravu Mazumdar, von der folgenden und anderen, ähnlichen Reaktionen auf sein erstes Buch über Foucault erzählte: „Sie kommen aus Indien? Welch wunderbare Kultur! Warum schreiben S‘ dann über einen französischen Philosophen? Schreiben S‘ doch über Indien!“ Pravu Mazumdar, dem Angehörigen der „wunderbaren indischen Kultur“, wurde mit anderen Worten das Recht abgesprochen, auch noch etwas anderes zu sein als Angehöriger „seiner Kultur“. … “ | https://www.derstandard.at/story/2000090533413/sama-maani-die-krux-mit-der-migrantenliteratur
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Timagoras, 3. November 2018, 19:16:12: “ … das tragische und paradoxe Dilemma vieler heutige Linker: mit ihrer Identitätspolitik vertreten sie – zwar „wohlmeinender“ – letztendlich nichts anderes, als die Identitären und Rassisten: Um die Mitglieder einer Gruppe zu identifizieren, werden kulturelle, ethnische, soziale oder sexuelle Merkmale verwendet. Menschen, die diese Eigenschaften haben, werden zu der Gruppe gezählt und häufig als homogen betrachtet. Menschen, denen diese Eigenschaften fehlen, werden ausgeschlossen. Menschen werden also in kulturalistische (und sogar in „rassische“) Schubladen gesteckt, und aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Gruppe werden diesen Menschen dann Eigenschaften, Verhaltensweisen und – je nach Standpunkt – Privilegien oder Einschränkungen zugewiesen. das ist für mich nicht links …“
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imax 3. November 2018, 20:53:23: “ … Sind dann „die Linken“ auch sowas wie eine Rasse? …“
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Sonnstrahlen 3. November 2018, 18:17:21: “ … Mir geht dieses „Kulturgerede“ schon lange auf die Nerven, erstens ist es meist nichts anderes als Tradition, das damit gemeint ist und zweitens sollte immer der einzelne Mensch im Vordergrund stehen, es können zwei aus dem selben „Kulturkreis“ kommen und diese trotzdem ganz unterschiedlich sehen. …“
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bearskin, 3. November 2018, 22:42:02: “ … Trotzdem haben die meisten Menschen aus den gleichen Kultur eine ähnlichere Wertvorstellungen als von fremde Kulturkreise. Ich komme nicht von hier und weiß wovon ich spreche. …“
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Sonnstrahlen, 5. November 2018, 10:13:24: “ … Das bestreite ja auch niemand, was ich bestreite ist, dass eine Kultur „besser“ ist als die andere. Ich kenne eine Menge Menschen aus anderen Kulturkreis und nur ein Miteinander auf Augenhöhe kann funktionieren. …“
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bearskin 5. November 2018, 14:40:33: “ … Natürlich sind manche Kulturen besser. Wollen Sie echt eine Kultur des Faschismus mit einer der Demokratie gleichsetzen? Wollen Sie echt eine Kultur des Patriarchismus mit [angestrebter] Gleichberechtigung gleichsetzen. Wollen Sie echt eine Kultur der Massentierhaltung mit der der nachhaltige Bio-Tierhaltung gleichsetzen. Vor allem gibt es eine Kultur der Konfliktbeweltigung. Die eine zucken gleich ein Messer oder treten auf alte Menschen, die anderen Lachen über die Ignoranz der ältere Generation. Alleine die Kultur in Österreich ist heute viel besser als die von 50 Jahren und erst recht von vor 80 Jahren. Dieses Gleichmachen und Relativieren ist wirklich eine Realitätsverweigerung. Natürlich wäre es schon wenn wir alle gleich wären, sind wir aber nicht. …“
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MagisterMagister 3. November 2018, 18:44:20: “ … Mir gehen genervte Spießer in Internetforen auf die Nerven, aber dagegen kann ich leider auch nix machen. …“
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s.giovanna 3. November 2018, 19:57:36: “ … doch, nicht in die gewisse foren gehen. …“
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Zunz Emma, 3. November 2018, 17:22:52: “ … Was ist Migrantenliteratur? Sind Mario Benedetti, Julio Cortázar oder Thomas Mann auch Migrantenliteratur? …“

[Jean-Louis Trintignant (1930 – 2022) …]

Le Train (R: Pierre Granier-Deferre, 1973) [basierend auf einem Roman von Georges Simenon]

Andreas Kilb (17.06.2022): “ … Am heutigen Freitag ist Jean-Louis Trintignant im südfranzösischen Uzès gestorben. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/zum-tod-des-schauspielers-jean-louis-trintignant-18110898.html

Gerhard Midding (17. Juni 2022): “ … Sein Blick war aufmerksam und beharrlich. … Trintignants erstaunliche Schaffenskraft – er spielte in über 140 Kino-und Fernsehfilmen mit und führte zweimal Regie – war tiefer Schwermut abgetrotzt. „Ich wurde schon verzweifelt geboren“, sagte er einmal. … In seiner Jugend beging er mehrere Selbstmordversuche. Um der Depression zu entkommen, in die er nach dem tragischen Tod seiner Tochter Marie im Jahr 2003 verfiel, kehrte er auf die Bühne zurück, um Gedichte von Apollinaire zu rezitieren. … In seinen letzten Rollen habe er sich wohlgefühlt, weil seine Figuren mit dem Tod konfrontiert werden, gestand Jean-Louis Trintignant einmal. … “ | https://www.derstandard.at/story/2000136656852/franzoesische-filmlegendejean-louis-trintignant-gestorben


el::grillo : “ … Danke für Dutzende bewegende Filme die meine Liebe zum französischen Kino befeuert haben. …“

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Alfred J. Noll: “ …“Auf Liebe und Tod“ (Vivement dimanche!) habe ich wohl drei-, viermal gesehen – und es war nicht nur Fanny Ardant, sondern Trintignant mit seinem ironisch-verklärten Blick und die Grandezza, mit der Truffaut seinen letzten Film gestaltete …“
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Pi7Tovix: “ … ja , wobei für mich neben der knapp über 30-jährigen Fanny Ardant so ziemlich alles unterging – sollte mir den film jetzt nochmals ansehen. …“
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Tumen “ … Man kann die Zerrissenheit dieses wunderbaren Schauspielers vielleicht besser verstehen, wenn man weiß wie sehr ihn die Familiengeschichte im und nach dem 2. Weltkrieg für immer geprägt hat. Seine Mutter wurde den Dorfbewohnern aufgrund einer Affäre mit einem deutschen Soldaten mit geschorenem Kopf vorgeführt, während sein Vater, ein ehemaliger Bürgermeister, im selben Monat als Résistant eine gefeierte Heimkehr erlebte. Das Schicksal der Mutter erinnert an sehr viele tausend Französinnen, aber auch anderen Frauen z.B. in den Niederlanden, die diesen „Verrat“, mit der ultimativen öffentlichen Demütigung büßen mussten. …“

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zorro 57: “ … ich weiß, dass er niveauvollere filme – die ich auch gesehen habe- gedreht hat, aber der stumme in „leichen pflastern seinen weg“ ist einer erwähnung würdig. …“

Tucobenedicto: “ … IL Grande Silenzio. …“ | // –> https://youtu.be/H9vkC-Y0pwM — Ennio Morricone (Il Grande Silenzio)
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Asgard: “ … Der Film war in meiner Jugend ein Hammer! Brutal dargestellt, daß der Gute nicht gewinnt, aber trotzdem „moralischer“ Sieger ist. Schwerer Tobak damals …“

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schluss.punkt: “ … merci seigneur trintignant pour de nombreux moments cinématographiques émouvants.! …“

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #61… ]

Der Maler blickt vom Gaisberg auf Salzburg (Jacques Sternfeld, 1923)

“ … Investoren lassen Wohnungen oft leer stehen, da die hohen Renditen eine Vermietung gar nicht mehr notwendig machen. Allein die Wertsteigerung deckt die Kosten. …“ | Aus: „Leerstand, Betongold und Festspielabsteigen verschärfen Salzburgs Wohnungsnot“ Stefanie Ruep (16. Juni 2022) | https://www.derstandard.at/story/2000136566994/leerstand-betongold-und-festspielabsteigen-verschaerfen-salzburgs-wohnungsnot

Heerke Hummel (29. März 2010): “ … Brodbecks Kernthese laute: „Das Geld ist kein Ding, das Geld ist eine universalisierte Denkform… Die Welt denkt in einer Form, von der sie beherrscht wird und die eben deshalb ihre Macht entfalten kann, weil sie unerkannt ist.“ Dahinter stehe die Erkenntnis, daß mit dem Eintritt des Geldes in die Geschichte der Menschheit (im Zusammenhang mit der Entwicklung der Arbeitsteilung) sich nicht nur die Strukturen des Wirtschaftens, sondern auch die Seelen der Menschen verändert haben. Mit dem Geld begännen die Menschen, sich nicht nur durch Sprache zu verständigen, sondern durch Rechnen. Und zwar berechneten sie nicht nur Dinge, sondern sich selbst gegenseitig. …“ | https://das-blaettchen.de/2010/03/zwanzig-jahre-zu-spaet-1232.html

“ … Zu keiner Zeit des Jahres wird der erzwungene Konformismus durch den Kapitalismus spürbarer als zu Weihnachten. Verzweifelt, gestresst und missmutig schlittern wir durch die Straßen […] “Ich muss noch was für Papa finden” … Obwohl Papa doch schon alles hat, was man sich wünschen kann und wenn etwas Neues auf den Markt käme, könnte er es sich im Handumdrehen selbst kaufen. “Aber ich MUSS…” …“ | Aus: „Konformität – Wem gehört mein Leben?“ (2012) | Autor? | Quelle nicht mehr abrufbar: http://www.weeyoo.de/konformitaet-wem-gehoert-mein-leben/

“ … Auch das Eingehen emotionaler Beziehungen wird zunehmend nach dem Vorbild von Marktverhältnissen organisiert. Das Verfahren basiert darauf, dass die Leute sich selbst zur Ware machen: Für die Partnersuche im Internet und über Vermittlungsagenturen präsentieren sie sich als Ware, indem sie ihre Vorzüge auflisten und Fotos ins Netz stellen. Hier fehlt das, was Freud den „einzigen Zug“ genannt hat, der einzigartige Impuls, der sofort entscheidet, ob ich jemanden sympathisch finde oder nicht. Liebe ist eine Wahl, die als Unumgänglichkeit erfahren wird. An einem bestimmten Punkt ist man überwältigt von dem Gefühl, zu lieben und gar nicht anders zu können. Die Vorzüge von Kandidaten zu vergleichen und sich dann zu entscheiden, in wen man sich verlieben will, kann also per definitionem nicht Liebe sein. Deshalb sind Partneragenturen Liebestöter par excellence. …“ | Aus: „Zeit der Monster – Ein Aufruf zur Radikalität“ Slavoj Zizek (monde-diplomatique.de, Ausgabe vom 12.11.2010)

Peter Kern [zu: Jürgen Leibiger: Eigentum im 21. Jahrhundert Metamorphosen, Transformationen, Revolutionen Verlag Westfälisches Dampfboot, 381 Seiten] (24.05.2022): “ … und ließe sich die Luft privatisieren, gäbe es längst die für diesen Naturstoff passenden Investmentfonds. Für Wasser gibt es solche; Trinkwasser ist ja in großen Teilen der Erde ein knappes Gut. Was liegt also näher, als mit dem Grenznutzen dieses Guts zum eigenen Nutzen und Frommen zu spekulieren? Den Geschäftsleuten und ihren höheren Angestellten wird solche Spekulation auf den Billboards der großen Flughäfen nahegebracht. Jürgen Leibiger stellt ganz kindlich klingende Fragen: Was ist Eigentum; warum gehört jemandem etwas; könnte es eine Welt ohne Privateigentum geben; ist Eigentum am Häuschen mit Garten identisch mit Eigentum eines Konzerns, dem die ganze Welt als Hinterhof gilt; setzt individuelle Freiheit Privateigentum voraus und wenn ja, reicht es nicht, wenn ein Ich der Eigentümer seiner Arbeitskraft ist; geht als okay durch, wenn 40 Leute so viel an Vermögen angehäuft haben wie bald vier Milliarden Menschen? Die kindlichen Fragen sind natürlich hintersinnig gestellt, es ist gleichsam ein sokratisches Fragen, womit der Schreiber des Buchs seinen Leser behelligt. Warum solche Hebammenkunst außer Gebrauch gekommen ist, versteht man sofort. Wer so vorgeht, will den Zusammenhang von Eigentum, Macht und Herrschaft beleuchten. In den Spiegel schaut eine Gesellschaft aber nicht gerne, die ziemlich alt aussieht, wenn sie ihre propagierten politischen Ideale (die sogenannten Werte) mit der schmutzigen ökonomischen Realität abgleicht. … Die Aktionärsversammlung ist nicht der Ort, wo der zum Angestellten geadelte Arbeiter seinen demokratisch-politischen noch ökonomische Mitspracherechte hinzufügen könnte. Dort findet kein Plebiszit statt. Der Kleinaktionär bleibt zu Hause, und die institutionellen Anleger bestimmen die Musik der Versammlung. Er firmiert formal unter Eigentümer, aber von der wirklichen Verfügung über das Kapital ist er ausgeschlossen. Aktien können verliehen und beliehen werden; neue Eigentumsobjekte sind entstanden und die ihnen entsprechenden Eigentumsdelikte, zu deren bevorzugten Opfern die Aktien-Amateure gehören. Die Demokratisierung des Kapitaleigentums ist ein Schein … Solidarität ist eine knappe Ressource, an deren Verknappung die Kulturindustrie verlässlich arbeitet. Dieser Industriezweig lebt von der Wirklichkeit gewordenen Idee, die Individuen seien, wie die Objekte der äußeren Natur, bloße Singularität, der nichts Wesenhaftes eigne. Der Gedanke der Solidarität lebt aber vom Gedanken an dieses Übergreifende. Den vereinzelten Individuen fällt es unsagbar schwer, den Gedanken der Solidarität zu fassen; Karl Heinz Haag hat diesen Zusammenhang analysiert. Was bleibt, sind Theoretiker und politisch Handelnde, die diesem Gedanken die Treue halten, auch wenn solche Intransigenz [Politische Starrheit; Unversöhnlichkeit, Unnachgiebigkeit] als schiere Donquijoterie erscheint. Leibigers Buch endet mit keinem Hurra auf ein unüberwindliches Proletariat, sondern mit dem Melancholiker Hamlet: „Dass wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen, als zu uns unbekannten fliehen. So macht Bewusstsein Feige aus uns Allen.“ … “ | https://www.glanzundelend.de/Red22/J-L/juergen_leibiger_%20eigentum_im_21_jahrhundert.htm

[Wirklichkeitsbezug #10 … ]

Medien … produzieren eine notwendig moralisch entleerte Wirklichkeit, um aus sicherer Position das »Leiden anderer« betrachten zu können. … Die romantische Ironikerin weiss nur zu gut dass die Inszenierung der Romantik wesentlich ist und ihr von Anfang an zugehörig war

Damian Zimmermann, DER STANDARD, 2.7.2013: “ … Bilder von Innenräumen, in denen der Fernseher läuft: Da schauen etwa zwei Hunde in einem sehr aufgeräumt wirkenden Wohnzimmer einen Pornofilm. The Hamptons nennt er [Philip-Lorca diCorcias] das Foto ironisch, als dokumentiere es das Long-Island-Feriendomizil eines reichen New Yorkers. … “ | https://www.derstandard.at/story/1371171202484/inszenierte-wirklichkeit-wahrer-als-wahr

[Dunja Bialas über: France (Regie: Bruno Dumont, 2020)] “ … Bruno Dumont transformiert in France Medienkritik zur metaphysischen Fragestellung, während Léa Seydoux in Tränen zerfließt … Der nahe­lie­gende Blick auf France als Medien­sa­tire würde aber übersehen, dass es Dumont nicht wirklich um Medien­schelte geht. Das wäre platt und offen­sicht­lich. Ihm geht es genau um die auf erster Ebene ange­pran­gerte Über­for­mung der Wirk­lich­keit durch die mediale Darstel­lung. Ihre Trans­for­ma­tion in der Montage durch Schnitt und Kommentar und die Produk­tion einer Wirk­lich­keit zweiter Ordnung inter­es­sieren ihn, in der sich die Jour­na­listin France de Meurs dann auch narziss­tisch spiegeln kann. Medien, das ist die Folge, produ­zieren eine notwendig moralisch entleerte Wirk­lich­keit, um aus sicherer Position das »Leiden anderer« betrachten zu können. …“ | https://www.artechock.de/film/text/kritik/f/france1.htm

Andreas Busche (01.06.2022): “ … Trier und Vogt entwickeln für Julie immer wieder originelle Szenarien einer alternativen Realität. Ihr expliziter Flirt mit Eivind, der gerade so weit geht, dass er nicht den Tatbestand des Treuebruchs erfüllt (darauf haben sie sich zuvor konsensual geeinigt), gehört zu den tollsten Szenen in einer romantischen Komödie seit Ewigkeiten. Und einmal hält Julie buchstäblich die Welt an, um durch ein Tableau vivant ihrer Beziehung mit Aksel zu entfliehen. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-schlimmste-mensch-der-welt-im-kino-romantik-ist-so-2012/28392276.html // https://de.wikipedia.org/wiki/Tableau_vivant

Christian Jany, ETH Zürich (07.06.2022): “ … Die Unsicherheit darüber, was das Romantische sei, steht tatsächlich am Anfang der literaturhistorischen Epoche der Romantik. Im November 1797 schreibt Friedrich Schlegel, einer der Cheftheoretiker der frühen Romantik, seinem Bruder: “Meine Erklärung des Worts romantisch kann ich Dir nicht gut schicken, weil sie – 125 Bogen lang ist!” … Die romantischen Kulissen sind einfach nicht kaputtzukriegen. Am allerwenigsten durch den Hinweis, das Ganze sei nur Wirklichkeitsinszenierung, Erfindung, Unfug, Kitsch. So spricht der nüchterne Realist, der den romantischen Schein entzaubern möchte, nicht aber die romantische Ironikerin. Sie weiss nur zu gut, dass die Inszenierung (und damit die Illusion, die Einbildung, der Schein, der Trug) der Romantik wesentlich ist und ihr von Anfang an zugehörig war. Wüsste sie davon nicht, wäre sie bloß eine Schwärmerin, eine Fantastin bar jeder Vernunft und ohne allen Sinn für die Magie von Kulisse und Beleuchtung. Sie blickte zutiefst unromantisch in die Welt. …“ | https://www.praefaktisch.de/romantik/romantische-inszenierungen-oder-von-projekten-und-beleuchtungszauber/

[Zeit im Bild #57 … ]

Kurt Tutschek (11. Juni 2022): “ … Im Jahr 1902 [ ] machte sich der im Jahr 1876 in San Francisco als John Griffith Chaney geborene Autor [Jack London] auf um jener Stadt einen Besuch abzustatten, die ihm seinen Namen gab: London. … Er lebte für mehrere Monate im Stadtteil Whitechapel, dem Londoner East End, eine Gegend, die damals hauptsächlich von den Ärmsten der Armen bevölkert wurde. Und Jack London hielt seine Erfahrungen die er auf den Straßen der Stadt machte in einem Buch fest. In „The People of the Abyss“ beschrieb er das Leben der einfachen Menschen, den gnadenlosen Alltag, die unwürdigen Bedingungen, unter denen sie ihr Dasein fristen mussten. Um Zugang zu den Bewohner es East End zu erlangen, verkleidete er sich als Arbeiter und gab vor, einer von ihnen zu sein. … Und er griff auch zur Kamera. Tausende Fotos entstanden in den folgenden Jahren, die Gassen von Whitechapel … “ | https://www.derstandard.at/story/2000136325509/der-schriftsteller-jack-london-als-fotograf

„Jack London Photographs and Negatives“
Approximately 12,000 images, primarily taken by London himself between 1902 and 1916, document the poor in the City of London, the Russo-Japanese War, the aftermath of the San Francisco earthquake and fire, London’s 18-month cruise through the South Pacific, a shipboard journey around Cape Horn, the Mexican Revolution, and London’s ranch in California’s Sonoma Valley. … | –> https://hdl.huntington.org/digital/collection/p16003coll7

[Objekte #33… ]

Kamerafund (in Kiel Gaarden, Laden: ‚Zeitreise‘)
Model: Revueflex E [Auch Zenit E – 1967 bis 1982] – Krasnogorski sawod (Krasnogorsk-Werk – KMZ) | https://de.wikipedia.org/wiki/Krasnogorski_sawod

Die Kameras der Zenit E-Modellreihe gehören mittlerweile zu den am häufigsten verkauften Fotoapparaten der Welt. … [produziert wurde die Kamera] zwischen 1965 und 1986; ausgestattet zunächst mit ZM39-Schraubgewinde, später mit M42-Gewinde; die KMZ fertigte rund 3,5 Millionen Zenit-E-Kameras, die MMZ stellte zwischen 1973 und 1986 zumindest weitere rund 5 Millionen her, [die Kamera wurde] erstmals 1967 mit Rückschwingspiegel [ausgerüstet] …
https://de.wikipedia.org/wiki/Zenit_(Fotoapparat)

Bedienungsanleitung – Revueflex E
https://st.museum-digital.de/documents/03133100994.pdf

Die ZENIT-EM
http://www.zenitcamera.com/mans/zenit-em/zenit-em-der.html

M42 (Objektivanschluss)
https://de.wikipedia.org/wiki/M42_(Objektivanschluss)

M42-Gewinde Tomioka Auto Yashinon 55mm F/1.2
https://lens-db.com/tomioka-auto-yashinon-55mm-f12-1970/
Cosinon 55mm f/1.2 Auto (1970-1974)
http://m42lens.com/m42-lens-database/704-tomioka-cosinon-auto-55mm-f-1-2-16

[Der Blick in die Kamera #51… ]

Alexander (Hammid) Hackenschmied :: Maya Deren, n.d. | via https://unregardoblique.com/2022/05/14/maya-deren-by-a-hammid-1940s/

“ … Maya Deren, geboren als Eleanora Solomonovna Derenkovskaya (* 29. April 1917 in Kiew, Ukraine; † 13. Oktober 1961 in New York City), war eine US-amerikanische Avantgarde-Regisseurin, Tänzerin und Filmtheoretikerin der 1940er und 1950er Jahre. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Maya_Deren

“ … Deren verstand sich zeitlebens als Amateurfilmerin, die ihre Filme – wie sie es ausdrückte – „mit Budgets macht, die in Hollywood gerade mal für die Lippenstifte reichen“. Sie engagierte sich auch in Amateurfilmvereinigungen. 1959 rief sie im Movie Makers Annual der amerikanischen Amateur Cinema League Filmer dazu auf, sich alle Besessenheit mit Profistandards und Filmausrüstung aus dem Kopf zu schlagen und besseren Gebrauch von ihrer filmerischen Freiheit zu machen. Ein halbes Jahrhundert später hat Maya Derens Mahnruf nichts von seiner Aktualität verloren. …“ | https://www.filmkorn.org/maya-deren-filmer-eure-wichtigste-ausrustung-seid-ihr-selbst/

Maya Deren — // prolsit (vor 12 Jahren) her voice is hypnotic….
https://youtu.be/MhEOOpbJKEc

IN THE MIRROR OF MAYA DEREN (Trailer, Martina Kudlácek 2008)
https://youtu.be/Bfg3Ya-LQzc

[Wirklichkeitsbezug #9 … ]

Includes for example the following chapters: The Crisis of the Sciences as Expression of the Radical Life-Crisis of European Humanity; Clarification of the Origin of the Modern Opposition between Physicalistic Objectivism and Transcendental Subjectivism etc. … [Umfasst beispielsweise folgende Kapitel: Die Krise der Wissenschaften als Ausdruck der radikalen Lebenskrise der europäischen Menschheit; Klärung des Ursprungs des modernen Gegensatzes zwischen physikalistischem Objektivismus und transzendentalem Subjektivismus etc.]
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“ … Albert Camus [schrieb] im April 1938: “ … Über ein und dieselbe Sache denkt man am Morgen nicht das gleiche wie am Abend. Aber wo liegt die Wahrheit, im Denken der Nacht oder im Geist des Mittags? …“ …“ | https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/reflexionen/vermessungen/2138808-Schriftwege-ins-Offene.html
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KRichard 01.06.2017, 17:23 Uhr: “ … Unser Bewusstsein ist unser Erleben, welches sich im Fokus der Aufmerksamkeit befindet und dadurch der eigenen Wahrnehmung zugänglich ist. …“ | https://scilogs.spektrum.de/wirklichkeit/ist-bewusstsein-wenn-es-keine-substanz-ist/
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“ … Für die Phänomenologie ist Subjektivität kein abgeschlossener geistiger Bereich, sondern von Anfang an in der Welt: Subjektivität und Welt sind voneinander abhängig und untrennbar verbunden. Die Subjektivität ist wesentlich demjenigen gegenüber offen, was sie selbst nicht ist (Transzendenz des Bewusstseins). Diesen Zusammenhang bezeichnet die Phänomenologie durch den Begriff der Intentionalität, welcher programmatisch ausdrückt, dass jede (subjektive) Erfahrung eine Erfahrung von etwas (Welt) ist. Für die Phänomenologie ist das Bewusstsein also kein Kasten, in dem die Erfahrungen eines Subjekts stattfinden. Stattdessen ist es das Feld, in dem das Subjekt die Welt erfährt. Erst indem die Subjektivität diese Offenheit vollzieht und sich selbst in der Welt vorfindet, wird sich die Subjektivität ihrer selbst bewusst (Selbstbewusstsein). … Es geht nicht mehr darum, das Subjekt hier und das Objekt dort in Übereinkunft zu bringen. Stattdessen untersucht sie eine Tiefenschicht, in der Subjekt und Objekt als Subjekt und Objekt erst möglich werden. … Schon früh hat Husserl argumentiert, dass sich psychische und physische Phänomene nicht ohne Weiteres sauber voneinander unterscheiden lassen. Und der Psychologe Carl Friedrich Graumann, der sich als Phänomenologe verstanden hat, überwindet die Unterscheidung zwischen vermeintlich ‘exakten’ Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, indem er die Psychologie eine “Erfahrungswissenschaft” (Graumann, 1960) nennt.So ergibt sich die grundsätzliche Antwort auf die Frage, ob die Phänomenologie mit Naturwissenschaft vereinbar ist: Der Begriff der Naturwissenschaft ist selbst voraussetzungsreich und die Phänomenologie hinterfragt diese Voraussetzungen. … die Phänomenologie [ist] kein Dogma, sondern ein eigener Diskurs … “ | Aus: „Was kann die phänomenologische Psychologie zum Bewusstseinsproblem beitragen?“ Stephan Schleim (14. Feb 2022) | https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/was-kann-die-phaenomenologische-psychologie-zum-bewusstseinsproblem-beitragen/
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Martin Holzherr, 14.02.2022, 17:58 Uhr: “ … Zitat Wikipedia zu Husserls Auffassung der Phänomenolgie: “ Sie [die Phänomenologie] soll sicherstellen, dass sich die Wissenschaften nur von Evidenzen leiten lassen, die dem unmittelbaren Bewusstseinserleben entstammen.“ Die heutige Naturwissenschaft braucht kein bewusstes Erleben um etwas messen zu können. Man kann Infrarot-Strahlung messen oder Röntgenstrahlung und das ohne dass wir diese Strahlung direkt empfinden oder erleben können. Es braucht keine Menschen um Experimente durchzuführen. Auch Roboter können dies. Und Roboter haben heute ja kein Bewusstsein. …“
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Stephan Schleim 14.02.2022, 19:00 Uhr: “ … @Holzherr: Forschung ohne Menschen „Die heutige Naturwissenschaft braucht kein bewusstes Erleben um etwas messen zu können. […] Auch Roboter können dies.“
So so – wer liest dann bitteschön die Messergebnisse ab? Und wer baut und programmiert die Roboter? Sie kommen am Subjekt nicht vorbei. …“
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Elektroniker 14.02.2022, 21:10 Uhr: “ … @ Stephan Schleim 14.02.2022, 19:00 Uhr — Zitat: „Sie kommen am Subjekt nicht vorbei.“ — Folgendes Gedankenspiel: Jemand fährt mit seinem voll autonomen Auto zur Arbeit. Nach der Ankunft „verabschiedet“ sich das Auto mit der Frage „ist es ok. wenn ich dich um 17 Uhr wieder hier abhole und irgendwo auf einem Parkplatz warte und zwischendurch Strom tanke?“ Das einzige lebende „Subjekt“ sagt nichts und steigt einfach aus … Das Auto handelt nur gemäß seiner Erfahrungen. Die Programmierer sind bereits gestorben, die erforderlichen Erfahrungen für die KI wurden von anderen Versuchsautos automatisch gemacht und die Daten übernommen. Das einzige lebende Subjekt, der Fahrer, handelt nicht, er verhält sich passiv. War derartiges jemals als Subjekt gedacht? …“
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Martin Holzherr 14.02.2022, 21:32 Uhr: “ … Letztlich ist meine Haltung zur Phänomenologie folgende: Phänomene, Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen passieren alle in einer Welt von Dingen, die auch ohne Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen existieren. Die Welt der Dinge ist realer als die Welt der Wahrnehmungen und Erfahrungen, weil die Welt der Dinge über das Subjektive hinausgeht. Jedes Subjekt (Tier, Mensch, Roboter) kann die Welt anders erleben. Aber es ist immer die gleiche Welt. …“
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Wolfgang Stegemann 14.02.2022, 22:28 Uhr: “ … @Holzherr: „Letztlich ist meine Haltung zur Phänomenologie folgende: Phänomene, Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen passieren alle in einer Welt von Dingen, die auch ohne Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen existieren.“ — Das ist gar nicht das Thema. Nehmen Sie an, wir existieren nicht (mehr), was hat die Welt dann für einen Sinn (für uns)? Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, existiert nur durch uns. Wir konstruieren im Kopf eine perfekte 1:1 Kopie der Welt, aber nur der Welt, die wir wahrnehmen bzw. wie wir sie wahrnehmen. Und wir sind es, die sie konstruieren. Man muss sich klarmachen, dass das Leben so betrachtet tautologisch ist, denn wir betrachten uns letztlich selbst. Wir müssen uns von der metaphysischen Objektivität verabschieden, sie existiert nicht. Auch die Plankschen Quanten sind unsere Abstrakta. Sie werden gerne genommen, um ein Schlupfloch ins Transzendente zu suchen. Da wir in der Lage sind, mit Begriffen nicht nur reale Dinge zu (re-) konstruieren, sondern auch Dinge, die es gar nicht gibt, ist es leicht, sich eine irreale Welt vorzustellen. …“
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anton reutlinger 15.02.2022, 16:17 Uhr: “ … Jeder Mensch hat eine eigene Lebensgeschichte und eine eigene Lebenswelt, biologisch, kognitiv und sozial/kulturell. Aus der Menge der möglichen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Wissensquellen hat jeder Mensch eine eigene Teilmenge. Insofern ist jeder Mensch auch ein Individuum, biologisch, psychisch und geistig. … Kenntnisse in Philosophie schaden keinem Psychologen. …“
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Tobias Jeckenburger 17.02.2022, 00:12 Uhr: “ … @KRichard 16.02. 20:04 „Die allererste und wichtigste Fragestellung sollte in einer seriösen Forschung die Fragestellung sein – ob es ein ´Bewusstsein´ überhaupt gibt.“ — Ohne die Anerkennung der inneren Phänomene als intersubjektive Fakten könnten wir überhaupt keine Psychologie betreiben. Und die erlebbaren inneren Phänomene sind derzeit auch der einzige Beweis dafür, dass wir ein Innenleben haben. Und solange wir die Korrelate der inneren Welten auf Nervennetzebene nicht kennen, bleibt nur die Phänomenologie übrig. …“
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Stephan Schleim (15.01.2021): “ … Der Naturalist baut sein Wissen auf die metaphysischen Annahmen, dass es nur eine Welt gebe, dass diese unerschaffen sei und von Gesetzmäßigkeiten regiert. Vor allem soll diese Welt – die Realität – „außerhalb unseres Denkens“ angesiedelt sein (Mahner, 2018, S. 46); sie ist folglich „in ihrer Existenz und ihren Eigenschaften unabhängig von unserem Bewusstsein“ (Vollmer, 2013, S. 22). Mir widerstrebt zu erklären, dass das nicht zusammenpasst. Es ist zu offensichtlich. Wenn es nur eine Welt gibt, die es zu erkennen gilt, wo finden die Gedanken über diese Welt dann ihren Platz? In der Welt kann ihr Platz nicht sein, denn die Welt soll ja unabhängig vom Bewusstsein und den darin aufgehobenen Gedanken existieren. Irgendwo anders ist auch kein Platz, da es ja nur diese eine Welt gibt. Daraus folgt Gedankenlosigkeit. Der Begriff vom „Bewusstsein“ ist damit hinfällig. Ohne Gedanken aber gibt es keine Philosophie. Der Naturalismus löscht sich selbst aus. Komisch, dass es diese Naturalisten gibt: Philosophen ohne Philosophie. … Unter den Fesseln der Metaphysik bekommen wir für die Welträtsel bestenfalls Scheinlösungen. Machen wir uns davon frei. Die Wissenschaft kennt solche Beschränkungen nicht. Einzig die Widerspruchsfreiheit und die Übereinstimmung mit den Fakten stecken den Denkrahmen ab. … Solange die von uns erkannten Gesetzmäßigkeiten der Welt ein bewusstes Denken nicht zulassen, kann auch das Universum nicht gedacht werden. Es existiert demnach für uns nicht. Die heutige Wissenschaft ist offenbar nicht reichhaltig genug, um das Geistige zu verstehen. … “ | https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/das-fuenfte-weltraetsel-bewusstsein/

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anton reutlinger 15.01.2021, 20:18 Uhr: “ … Wenn der Naturalismus so einfach widerlegbar ist, dann frage ich mich, warum die Mehrzahl der Philosophen Naturalisten sind! Sind die alle so dumm? Kein Naturalist behauptet, das Welträtsel Bewusstsein gelöst zu haben. Aber es gibt auch keinen Beweis, dass es unlösbar ist. Dagegen ist beweisbar, dass unser Wissen über diese Welt immer unvollständig bleiben wird (Gödel). …“
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Wolfgang Stegemann 16.01.2021, 11:59 Uhr: “ … Solche Beiträge amüsieren mich. Ich stelle mir dann vor, ein Raumschiff mit Aliens, die uns mental und technisch haushoch überlegen sind, beobachten uns. Ich höre sie sagen, ‘was ist das für eine seltsame Spezies da unten. Sie schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein und machen ihren Planeten kaputt, glauben aber, sie seien die Krone der Schöpfung. Was für eine Schöpfung? Sie glauben, jemand hätte sie erschaffen und wenn sie tot sind, leben sie trotzdem weiter, weil ihr, wie sie es nennen, Bewusstsein oder Geist, nicht stirbt. Aber warum denken sie denn so etwas? Ihre Neuronen sind nur niederdimensional verknüpft, sie denken überwiegend assoziativ. Schade, dass so ein schöner Planet solche einfachen Bewohner hervorbringt.’ …“

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