[Zur Begegnung mit Phantomen #7… ]

(22. November 2018): “ … Im Ministerium von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) an der Berliner Wilhelmstraße klingen die Alarmglocken. Hektisch werden Prüfaufträge an die Finanzämter geschickt. Dass das Ministerium erst auf Medienanfragen hin ermittele, sei „kaum zu glauben“, sagt FDP-Finanzexperte Florian Toncar. Anlass ist eine Affäre um einen möglichen Steuerbetrug mit „Phantomaktien“. … “ | https://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/cum-fake-die-wichtigsten-fakten-zur-phantomaktien-affaere/23667262.html

(12. Dezember 2018): “ … Nach Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung untersucht die Staatsanwaltschaft Köln die Rolle der Bank im Zusammenhang mit möglicherweise illegalen Börsendeals. Im Rahmen eines bereits seit 2017 laufenden Ermittlungsverfahrens wegen sogenannter Cum-Ex-Geschäfte wollen die Strafverfolger offenbar auch herausfinden, ob das Geldinstitut beim Handel mit „Phantom-Aktien“ dazu beigetragen haben könnte, die Staatskasse zu plündern. Banken und Börsen-Manager, so die Vermutung, sollen in den USA mit Schein-Aktien gehandelt haben, um auch in Deutschland Steuererstattungen zu kassieren, die ihnen eigentlich nicht zugestanden hätten. Die lange Zeit unentdeckte Masche wurde erst vor wenigen Wochen bekannt; als neue Variante im Cum-Ex-Skandal. …“ | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-aktiendeals-phantom-aktien-cum-ex-1.4249822

(29.11.2018): “ … Für Kritik im Finanzausschuss sorgt, dass die Bankenaufsicht Bafin Hinweisen aus den USA offensichtlich nicht weiter nachging. … “ | https://www.wr.de/politik/betrug-mit-phantom-aktien-fdp-kritisiert-olaf-scholz-id215898035.html

(26. November 2018): “ … Die Arglosigkeit des Gesetzgebers gegenüber den Banken zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte der Finanzkriminalität. … “ | https://www.nachdenkseiten.de/?p=47438

Rückblende // (08.05.2017): “ … Tatsächlich deuten die Koalitionsvertreter im Entwurf des Abschlussberichtes für den Ausschuss den Skandal als Akt organisierter Kriminalität, und nicht als Versagen staatlicher Aufsicht. Die betrügerischen Steuergeschäfte seien schon immer verboten gewesen. Einzelne Berater, Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen hätten Steuerregeln gegen ihren Sinn ausgelegt. Im Entwurf des Abschlussberichts heißt es: „Dieser Untersuchungsausschuss war nicht erforderlich.“ …“ | https://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/Steuerskandal-Cum-Ex,cumex116.html

lemonhorse / 12 Dezember 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #24… ]

“ … Vor dem Religionsunterricht wurde [Arno Gruen] nach Hause entlassen. Sein Vater erklärte ihm, dass man zwischen Juden, Christen, Atheisten unterscheide, oft auch zwischen Deutschen und Franzosen. Arno antwortete erstaunt: „Ich dachte, wir sind alle Menschen.“ – Arno Gruen: dreizehnjährig …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Gruen

“ … Die meisten Verknüpfungen, die das Gehirn bzw. die Großhirnrinde (der Neokortex) herstellen, entstehen weitgehend vollautomatisch: Unser waches Bewußtsein ist daran kaum beteiligt, mit Ausnahme von Situationen, in denen wir ganz bewußt über unsere Assoziationen sinnieren und sie einer geflissentlichen Prüfung unterziehen. Da wir aber nur über einen einzigen Fokus verfügen – wir können nicht mehrere Gedanken oder innere Bilder gleichzeitig betrachten –, bleiben uns alle Assoziationen, die wir uns nicht bewußt machen, verborgen. So entstehen innere Widersprüche, die wir oft gar nicht bemerken, bis wir eines Tages mit ihnen konfrontiert werden, weil zwei konkurriende Gedanken unser Bewußtsein erreicht haben. Wenn wir z.B. einen Spielfilm im Fernsehen verfolgen, ist unser Fokus hauptsächlich auf die Handlung gerichtet. Mit Spannung verfolgen wir den Handlungsablauf, waren auf den nächsten Schock oder Kick und wirken äußerlich wie innerlich ziemlich erstarrt. Diese Erstarrung betrifft auch unsere Kritikfähigkeit in Bezug auf im Film quasi unterschwellig mitlaufende Botschaften. … Wer sich etwas eingehender mit Medientheorien befaßt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, daß mediale Wiederholungen gewöhnlich die Wirkung haben, im Medienkonsumenten, der ihnen regelmäßig ausgesetzt ist, zur gefühlten Wahrheit zu werden. Als Wahrheit bezeichnet man einen Sinnzusammenhang im menschlichen Neokortex, der nicht mehr oder kaum noch bezweifelt wird, der im Grunde keinerlei nennenswerter Kritik im Zusammenhang seiner tatsächlichen Existenz ausgesetzt wird. Mit anderen Worten: Wahr ist für mich ein symbolisch codierter Sinnzusammenhang dann, wenn ich den entsprechenden Verknüpfungen absolut glaube, ohne mir bewußt zu sein, daß ich auch hier immer nur glaube. Dieser absolute Glaube ist nur deshalb möglich, weil wir alle gelernt haben, daß es sogenannte objektive Wahrheiten gäbe. Das Objektive ist laut Definition das, was auch ohne unsere Wahrnehmung angeblich existiert oder seinen Sinnzusammenhang auch ohne unsere Sinnlichkeit beibehält – auch das ein Glaube und letztlich eine Ideologie. … Sobald ich es versäume, bei der Aufnahme derartiger Symbolketten, die mir Sinnzusammenhänge, noch dazu in penetranter Wiederholung zu vermitteln suchen, meine Kritik und meine Hellhörigkeit zu vernachlässigen, bin ich den vermittelten Falschaussagen gnadenlos ausgeliefert, weil ich es gar nicht erst mitbekomme, wie man mich verarscht. Kritik und Hellhörigkeit beim Aufnehmen medialer Inhalte sind nichts anderes als die aktive Beteiligung meines wachen Bewußtseins bei der medialen Rezeption. Wenn ich dagegen die Zeitung oder einen Artikel im Internet so lese, als würde ich ein Unterhaltungsbuch lesen, dann entgehen mir die Manipulationsversuche. Die Folge davon wäre dann die unbewußte Produktion von Sinnzusammenhängen, die sich an meiner Kritik vorbeigeschlichen und in meinem Gedächtnis eingegraben haben. Werden diese Fremdkörper, die als Verknüpfungen in meinem Neokortex darauf warten, aktiviert zu werden, nun abgerufen, stellen sie etwas bereit, das ich nicht willentlich autorisiert habe. Es ist in etwa so, wenn ich ein Fremdwort lese, das ich noch nicht kenne, und dann bei Wikipedia nachschlage, wo mir eine bereits komplett durchmanipulierte und oft gegen meine eigenen Interessen gerichtete Definition gegeben wird. Wenn ich zudem nicht über die Manipulation in der Wikipedia informiert bin und diesem Medium daher Vertrauen entgegenbringe, übernehme ich diese Definition vollkommen kritiklos. … Die menschliche Verblödung hat nicht erst in neuester Zeit begonnen, sondern stellt einen bereits Jahrtausende anhaltenden Prozeß dar, der aber seit der Zeit der Massenmedien so richtig an Fahrt aufgenommen hat. Davor war in Europa die Römisch-Katholische Kirche weitgehend allein für die Verblödung der Massen verantwortlich. In der Inquisition hatte die Kirche ihren Höhepunkt erreicht, die Psychiatrie ist der direkte Nachkomme der Inquisition. Die Kirche als bisherige Verwaltung der Massenverblödung wurde durch die Zeitungen nach und nach abgelöst. Im 20. Jahrhundert wurden erst das Radio und kurz darauf der Fernseher erfunden, die nun als Hauptverwalter der massenmedialen Verblödung dienen. Nicht unerwähnt bleiben sollen die staatlichen Schulen, die einst dem einzigen Zweck dienten, folgsames Kanonenfutter für die zahllosen Söldnerheere herzustellen. Bildung im Sinne der Aufklärung war nicht nur ausgeklammert, sondern ausdrücklich nicht erwünscht. Ein Soldat mit humanistischer Bildung ist ansich schon fast unvorstellbar; gäbe es ihn, würde er wohl den Gehorsam verweigern. …“ | Aus: „Verklammerung = medial erzwungene Assoziation“ Irwisch (09.12.2018) | https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Dissensmanagement-durch-Zersetzung-und-Spaltung/Verklammerung-medial-erzwungene-Assoziation/posting-33565468/show/

“ … Heute sind es industrialisierte und zusehends miteinander vernetzte Metamaschinen wie Medien, Mode oder Pop, die auch Subversion und Ironie als Produktinnovation à la „Die Simpsons“ frei Haus liefern.
Für Metz/Seeßlen gibt es kein kluges Leben im blöden. Das beweist schon ihr Rekurs auf das kluge Sich-blöd-Stellen und das dumme Sich-klug-Stellen der Schildbürger im Lalebuch aus dem 16. Jahrhundert. … Zugleich [geht es] auch [um] eine Geschichte der Selbstermächtigung der Deklassierten, die es linken Intellektuellen ohne Elitendünkel verunmöglicht, das Begehren nach Verblödung moralisch zu verdammen. … “ | Thomas Edlinger zu „Blödmaschinen“ von Markus Metz, Georg Seeßlen (FALTER 22/2011) | https://www.falter.at/falter/rezensionen/buch/382/9783518126097/blodmaschinen

Jürgen Nielsen-Sikora (2011): “ … Die Ökonomie, schrieb Guy Debord in der »Gesellschaft des Spektakels« 1967, verwandle die Welt in eine Welt der Ökonomie; in eine Welt der Pseudoereignisse und Dramatisierungen, in der das Bewusstsein immer zu spät komme. Diese Welt wird inzwischen von glücklichen Narren bewohnt, die ohne Sinn für Geschichte dahinleben. Alte Wahrheiten entdecken sie auf diese Weise immer wieder neu. Sie werden in Tortengrafiken aufbereitet, in tabellarische Halbsätze gezwängt oder als wortlose Statistik präsentiert. Mit Hilfe von Vokabeln wie Story-telling und Rocket Science lässt sich fast zweieinhalb tausend Jahre nach Aristoteles konstatieren, der Mensch sei eigentlich ein soziales Wesen. … Der Klügste in unserem Zeitalter der Posthumanität sei, so Metz und Seeßlen wohl mit einem Blick auf Facebook und Co., wer die meisten Dummen um sich herum versammle. … Volksmusiksendungen, dieser Mischmach aus »Nuttigkeit und regressiver Obszönität« ist das Pendant im TV. Lang lebe auch der Gott der Unterhaltung, die Wiederholung (in Form der Serie, des Remake und des Remix), die erst dazu führt, dass die Dinge wirklich wahr werden: Das Wuchern der Ein-Euro-Läden, der Stumpfsinn der Talentsuchsendungen, das ganze Bologna-Entertainment an den Unis, die durch Studiengebühren zum Bildungsbordell geworden sind, das elende Schauspiel der Demokratie, die Soap, die Modenschau, der Comedy-Quatsch, die Aufwertung der Dingwelt bei gleichzeitiger Abwertung der Menschenwürde, die Kleiderhöllen und die Trostlosigkeit der Industriegebiete, die als Traumschiff getarnten Verblödungsreisen, das »Totarbeiten als Extremsport der Mittelschicht«, das zunehmende Management des Irrsinns, Politik als Karneval, die Discounter-Diktatur, die Strafverfolgungspornografie à la Aktenzeichen XY und schließlich die »Boulevardisierung der Weltkatastrophe« (Fukushima) zeugen davon, so Metz und Seeßlen, dass die Blödmaschinen einwandfrei funktionieren während Kassandra sich zu Tode plappert. …“ | http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/m/metz_seesslen.htm

lemonhorse / 9 Dezember 2018 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Licht-Inszenierung in 2001 (A SPACE ODYSSEY)… ]

Kubricks Bildgestaltung offenbart ein Interesse an ornamentalen Strukturen, häufig in Szenen, die an imaginierten Schauplätzen außerhalb der Erde spielen. Künstliche Effekte zieht der Regisseur auch bei historischen und zeitgenössischen Sujets dem „Realismus“ scheinbar natürlichen Lichteinfalls vor, so zuletzt noch bei der Lichtgestaltung in EYES WIDE SHUT (GB/US 1999). Fast möchte man von „Konstruktivismus“ sprechen, so Koebner, wenn es um Kubricks Komposition von Hell und Dunkel, von atmosphärischer Szenengestaltung und punktuellen Farbakzenten geht. Ob diese These zutrifft, wird anhand ausgewählter Beispiele im Vortrag diskutiert. Thomas Koebner (geb. 1941), Prof. em. für Filmwissenschaft, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in München und gründete 1993 das filmwissenschaftliche Seminar in Mainz. Veranstaltung im Kino des Deutschen Filmmuseums, 23.3.2018

lemonhorse / 8 Dezember 2018 / Cinema.Exposure, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Fossil des Tages… ]

“ … Bei der UN-Klimakonferenz in Katowice ist die Bundesregierung für ihre Klimaschutzpolitik getadelt worden. Deutschland bekam am Rande der Konferenz den Negativpreis „Fossil des Tages“ der internationalen Klimabewegung Climate Action Network verliehen. …“ | https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/klimakonferenz-klimaschutz-katowice-fossil-des-tages-negativpreis-deutschland

EugenO #1: Eigentlich beißt man nicht die Hand, die einen füttert!
dragon_fly: #1.2 Und was sollte man Ihrer Meinung nach mit der Hand machen, die die Kinder künftiger Generationen tötet? Ich habe da eine klare Meinung …
OnlyHuman #1.10: … wer füttert uns? Der Planet Erde.
Paul Freiburger #1.13 „… jedwedes deutsche Bemühen ist im Ganzen gesehen vernachlässigenswert.“ Wenn alle so denken,…
Paul Freiburger #8: Es hat wohl seinen tragischen Sinn, dass der Negativ-Preis „Fossil des Tages“ heißt, und nicht „Fossil des Monats“ oder „Fossil des Jahres“. Kandidaten als Preisträger gibt es in Scharen.
Falubor #12: Des Tages? Wohl eher „Fossil des Jahrzehnts“.
Extreme sind nie gut #27 Aber die Arbeitsplätze!!!!
wilsieb #37.1: Durch die Energiewende werden Arbeitsplätze geschaffen – viel mehr als bei den fossilen Energiequellen.
Big Papa #41: Was würde in Deutschland geschehen, wenn die Politik entschieden gegen den vom Menschen gemachten Klimawandel vorginge? – Man würde der Regierung vorwerfen, die Wirtschaft zu zerstören. Machen wir uns doch nichts vor: Sehenden Auges taumeln wir alle in die Katastrophe, weil wir unfähig sind uns in der Masse zu ändern. Der Profit hat Vorrang vor Allem. … Also wird weiter gewurstelt, bis es nicht mehr funktioniert. Dann werden alle schreien, warum denn nicht umgeschwenkt habe, als es noch ging. Wie nennt man das noch?

lemonhorse / 8 Dezember 2018 / Daten.PolitixMicro, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemonhorse / 7 Dezember 2018 / Akustische.Wellen, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 28 November 2018 / Cinema.Exposure, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[RWF #4… ]

Brigitte Mira und El Hedi ben Salem in Rainer Werner Fassbinder’s
“Angst essen Seele”, (1974) – Photo: Peter Gauhe

via

lemonhorse / 27 November 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Bernardo Bertolucci (1940 – 2018)… ]

Robert de Niro and Bernardo Bertolucci: „1900“ (1975-1976) | via

// https://de.wikipedia.org/wiki/Bernardo_Bertolucci

(Manche seiner Filme haben seltsam mehrdeutig mein Leben verändert. Danke, Bernardo Bertolucci. Buon viaggio Maestro.)

Lesenswert / Nachtrag (1):

Nikolai E. Bersarin „Mimesis en Cadrage. Zum Tod von Bernardo Bertolucci sowie zwei wunderbare Filme: „Die Träumer“ und „1900““ (26. November 2018): “ … Sicherlich sieht man Die Träumer als junger Mensch anders als einer, der mitten im Leben steht, abgeklärt von vielem und die poetischen Träume der Jugend irgendwie vergessen, irgendwo auf dem Weg geblieben. Und doch blitzt beim Betrachten dieses Films ein Funke von jener Zeit wieder auf, wo Theorie mit Politik, Protest und Ästhetik sich paarte. … Zum Schluß nur ein Wort, ein subjektives, zu diesem genial-ausufernden Film-Epos 1900: Es erzählt in strömenden Bildern die Geschichte Italiens auf eine Weise, wie ich eine solche Narration noch nie erlebte. Und es war die Geschichte einer wunderbaren und wie auch von Zwiespalt geprägten Freundschaft zwischen einem Landarbeiterkind und dem Sohn des Gutsbesitzers. Klassenkampf, Faschismus und die Schönheit eines Ortes. … “ —> https://bersarin.wordpress.com/2018/11/26/mimesis-en-cadrage-zum-tod-von-bernardo-bertolucci-sowie-zwei-wunderbare-filme-die-traeumer-und-1900/

// https://de.wikipedia.org/wiki/Cadrage_(Film)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Mimesis

Nachtrag (2):

Gerhard Midding (26. November 2018): “ … Der misogyne Machtmissbrauch, das während der Dreharbeiten durchlebte Trauma wurden für Schneiders spätere Drogensucht und ihren Krebstod verantwortlich gemacht. Bertolucci wehrte sich erst nach einigem Zögern und halbherzig gegen die Vorwürfe. Er hätte sich, sagte er, gern vor ihrem Tod mit Schneider versöhnt. Der letzte Tango von Paris lässt sich heute vor allem als das Symptom einer sexuellen Revolution lesen, die hauptsächlich männliche Schaulust befreite. Die Selbstbestimmung der Frauen und ihr Bild im Kino profitierten vorerst nicht von ihr. … Das Ambiente war bei ihm stets beredt. Sein Meisterwerk Der große Irrtum erkundet die Mentalität des Faschismus anhand ihrer monumentalen Architektur, die Bertolucci in Tableaus von mulmiger Symmetrie ausmisst. Nicht nur in seinen erotischen Kammerspielen Der letzte Tango von Paris und Die Träumer herrscht unentrinnbare Klaustrophobie. … Bertoluccis Filme artikulierten sich im Wechselspiel von Intimität und Öffentlichkeit; immer zielten sie auf die Überwindung der Enge. Das galt für seine Kammerspiele ebenso wie für ausgreifende Epen. …“ | https://www.zeit.de/kultur/film/2018-11/bernardo-bertolucci-regisseur-italien-der-letzte-tango-in-paris-nachruf/komplettansicht

Nachtrag (2a):

Erwin In het Panhuis (27.11.2018): “ … Gerade in Bertoluccis älteren Filmen stehen Männer im Fokus, während Frauen eher passiv und Projektionsflächen von Angst und Hass sind. Besonders deshalb freue ich mich über seinen Film „Die Träumer“ (2003), weil er als Korrektiv ein aktuelles Frauenbild zeigt und damit beweist, dass seine Filme nicht nur ein historisches Interesse verdienen. … Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres verbindendes Element, wie es in „Der letzte Tango in Paris“ (1972) und „Die Träumer“ (2003) deutlich wird: Diese Filme zeigen zwar die harte Realität, aber auch den Glauben an eine private Utopie. Es sind solche Filme, die ich von Bernardo Bertolucci vermissen werde. …“ | https://www.queer.de/detail.php?article_id=32437

Nachtrag (3):

Carsten Heidböhmer (26. November 2018): “ … Ich war erstaunt, dass „Der letzte Tango in Paris“ entgegen seinem Ruf gar kein Film über Sex ist. Es ist eine ergreifende Studie über Einsamkeit. … Paul muss mit dem Freitod seiner Frau klar kommen und erfährt, dass sie ihn zu Lebzeiten betrogen hat. Jeanne hat das Leben noch vor sich, aber den falschen Mann an ihrer Seite. … Der Film verströmt eine tiefe Melancholie, die noch verstärkt wird durch die eindringliche Filmmusik des argentinischen Jazz-Saxofonisten Gato Barbieri. Dieser herbstliche Stimmung kann man sich nur schwer entziehen. Natürlich übersahen die Moralapostel diese delikate Melancholie, als der Film 1972 in die Kinos kam. Viele stürzten sich ausschließlich auf die Sex-Szenen und wollten damit sogar ein Verbot begründen. Im Laufe der Jahre verzog sich der Rauch, heute kann man den Film als das sehen, was er schon immer war: Eines der großen Meisterwerke des 70er-Jahre-Kinos. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. …“ | https://www.stern.de/kultur/tv/tv-tipp/bernardo-bertolucci—der-letzte-tango-in-paris–mit-marlon-brando-3831028.html

Nachtrag (4):

Fritz Göttler (26.11.2018): “ … Mitte der Siebziger, als die zwei an benachbarten Drehorten ihre neuen Filme drehten – Pasolini «Die 120 Tage von Sodom«, Bertolucci «1900» – haben die beiden Teams sich immer zu Fussballmatches getroffen. Schwerer war es mit dem Vater Attilio, der ein berühmter Lyriker war, «mein Vater musste akzeptieren, dass ich ihn in jedem Film aufs Neue umbrachte». … Nicht gern hat Bernardo Bertolucci seinen Blick zurückgewendet, und sicher nicht auf die eigenen Filme. «Ich fühle mich nicht mehr verantwortlich – sprich: schuldig – für sie, der Mensch, der diese Filme machte, ist mir so fern.» Am Montag ist er im Alter von 77 Jahren nach langer Krankheit in Rom gestorben. …“ | https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/alle-illusionen-verloren/story/20085481

lemonhorse / 26 November 2018 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Mythen meiner Kindheit #9… ]



// (… ‚Vater und Sohn‘ Bücher flogen oft in meinem Kinderzimmer umher – und ich wusste lange Zeit nichts über das Schicksal des Autors…)

Nachtrag / Kontext (1) // Christian Schröder (04.07.2001): “ … „Ich schlief, als Vater starb“, hat Christian Ohser später erzählt. Christian ist der Sohn von Erich Ohser, und wenn man alte Fotos von ihm sieht, lässt sich eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Co-Helden der Bildgeschichten nicht bestreiten: dieselbe Stupsnase, derselbe Wuschelkopf. Er war 13, als der Vater seinem Leben ein Ende setzte, und lag mit Diphterie im Bett. … Das Werk seines Vaters hat ihn nie losgelassen. „Ich habe Chinesen getroffen“, sagte er, „die mir erzählten, dass sie ihre Kinder nach den Vater-und-Sohn-Büchern erziehen.“ … In Düsseldorf ist Christian Ohser jetzt an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er wurde 69 Jahre alt und blieb doch ein Leben lang Kind: als Sohn aus den Bildgeschichten, die jeder kennt. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-sohn-des-zeichners-e-o-plauen-christian-ohser-ist-tot-das-vaterkind/238960.html

Nachtrag / Kontext (2) // Peter Pisa (17.06.2014): “ … Hier liebt ein Vater seinen Sohn, sie sind ein zärtliches, verspieltes Team gegen Dummheit, Fantasielosigkeit, Unmenschlichkeit. Sie halten zusammen, selbst wenn es „die da oben“ – Lehrer, Parkwächter, Polizisten – auf sie abgesehen haben. … Er wurde denunziert, Goebbels selbst gab dem „Volksgerichtshof“-Präsidenten den Befehl zum Todesurteil. Erich Ohser erhängte sich 1944 vor dem Prozess in seiner Zelle. Er war 41. Sein Sohn war damals 13. … Auf ihrem Grabstein ist eine Zeichnung aus der 192. und letzten Geschichte eingraviert: Vater und Sohn halten einander an der Hand und verlassen die Welt. …“ | https://kurier.at/kultur/erich-ohser-hinter-vater-und-sohn/70.670.958 — // https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Ohser

lemonhorse / 26 November 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

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