[Politik als l’art pour l’art … ]

“ … Mit dieser Redewendung [‚L’art pour l’art‘] wird vor allem die Priorität der künstlerischen Form und der ästhetischen Gestaltung hervorgehoben. In Frankreich wurde diese Kunstauffassung in der Literatur vornehmlich von Gustave Flaubert und Charles Baudelaire, in England von Oscar Wilde und in Deutschland von Stefan George vertreten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/L%E2%80%99art_pour_l%E2%80%99art (09/2017)

Michael Angele (Ausgabe 37/2017): “ … Wer die Partei ärgerlich findet, argumentiert ernst und ohne doppelten Boden, wer sie mag, übernimmt deren zynischen, frotzelnden Duktus des Sprechens: „Und was hast du gemacht? SPD gewählt? Das ist eine Spaßpartei ohne gute Witze“, kommentiert einer, übrigens ein Freund. … Damit zu Karl-Ove Knausgård. Er ist in meinem Milieu, das man im weitesten Sinn als urban-linksliberal bezeichnen könnte, ebenfalls sehr beliebt. Allerdings aus den genau entgegengesetzten Gründen. Man kann sich nicht vorstellen, dass Knausgård jemals eine Satire schreibt, und wenn, dann wollen wir sie nicht lesen. Es heißt, dass sein autobiographischer Zyklus Mein Kampf süchtig macht, weil er den Alltag ernst nimmt. … Wir sind moderne, gespaltene Menschen, aber wir sehnen uns nach einem eigentlichen, ungebrochenen Leben. Das der reine Horror wäre. …“ | https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/was-hat-die-partei-im-wahlkampf-verloren

Lethe vor 2 Tagen „… Wenn es der Partei wirklich um etwas ginge, müsste sie wie Pispers – der gemerkt hat, dass sein Publikum köstlich amüsiert ist, wo es ihn eigentlich steinigen müsste – der Verzweiflung anheimfallen und sich selbst auflösen. Aber Sonneborn und Cos. Klamauk kommt nicht über l’art pour l’art hinaus. …“

Gunnar Jeschke vor 2 Tagen: “ … Die Partei ist bei allem Klamauk eigentlich ernsthafter als die anderen Parteien, eben weil selbstreflektiert. Das ist kein Lob dieser Partei, die wohl kaum die Organisationsstruktur hat, um auch ernsthaft Politik zu machen. Es ist aber ein vernichtender Kommentar über das gegenwärtige Parteiensystem insgesamt. …“

Richard Herzinger (04.09.2017): “ … Der Vorname des AfD-Rechtsaußen Höcke wurde von „Björn“ in „Bernd“ korrigiert. Die frohe Botschaft der „Partei“ an die AfD-Anhänger: Ihnen würden ihre Fake News jetzt nicht mehr von Bots, sondern von realen Menschen geliefert. …“ | https://www.welt.de/debatte/kommentare/article168305094/Die-Pausenclowns-der-Partei-bedienen-ein-Klischee.html

Günther R., vor 3 Wochen: “ … Soll keiner sagen man hätte uns nicht gewarnt „Die Partei“ sind in Wahrheit also jetzt die russischen Hacker die den Wahlkampf manipulieren und ich dachte die lutschen nur Bundstifte, hätte ich beinahe drauf wetten können. …“

“ … „Mit diesen Schnupsis ist kein Staat zu machen“, antwortet Martin Kaul von der „taz“ in einer Replik. Wer die Partei wähle, sei „zutiefst demokratiefeindlich“, meint Benjamin Konietzny von „n-tv“. Auch Medienkritiker Stefan Niggemeier von „Übermedien“ hält ein Kreuz bei der Partei für „verschenkt“. …“ | http://www.stern.de/politik/deutschland/bundestagswahl–ist-es–undemokratisch—die-partei-zu-waehlen–7624946.html

Luisa Degenhardt – Redaktion Nordbayerische Nachrichten Pegnitz und Auerbach (09/2017): “ … Zum Gespräch lädt [Wolfgang Karl (Die Partei)] in seine Wohnung nach Bayreuth ein. Er trägt Teile der „Parteiuniform“. Über einem blauen Hemd sitzt die Parteibinde am rechten Oberarm. Was fehlt ist die rote Krawatte, „die muss möglichst billig sein“, und ein grauer Anzug. „Der muss aus einem miserablen Material wie Viskose sein“, sagt der 29-Jährige mit der Ray-Ban-Brille. … „Wir sind ein politischer Rockerclub.“ … Die Partei werde nicht in diesen Bundestag einziehen. Doch wenn sie mehr als 0,5 Prozent der Wählerstimmen erringe, rutsche sie in die Parteienfinanzierung rein, bekomme also finanzielle Mittel vom Staat. …“ | http://www.nordbayern.de/region/pegnitz/wolfgang-karl-die-partei-wir-sind-ein-politischer-rockerclub-1.6641380

Peter Rauscher (15.09.2017): … Muss die nächste Bundesregierung eine jährliche Obergrenze für Flüchtlingszuzug einführen und durchsetzen?
Wolfgang Karl: Sicher, wenn sie es schafft, gleichzeitig eine Obergrenze für Opfer von Kriegen und Vertreibungen weltweit einzuführen. So eine Art Maximum-Death-Flatrate könnte ein humanitärer Durchbruch sein. Vielleicht rüsten wir künftig Waffen mit einer Sperre aus: Bei Maschinengewehren wird beim Erreichen der Totengrenze die Schussrate gedrosselt.
Was kann der Staat tun, damit in Deutschland die Geburtenrate steigt?
Wolfgang Karl: In katholischen Gegenden versucht es die Kirche schon seit langer Zeit erfolglos mit einem Kondomverbot. Als Satiriker habe ich da eine lustige Lösung, die sicherlich niemand ernst nehmen wird, sie ist auch zu verrückt: Wie wäre es damit, Eltern stärker zu fördern, damit Kinder kein Armutsrisiko mehr sind? Man könnte – ganz verrückt – Steuervorteile nicht mehr an die Ehe, sondern an die Zahl der Kinder binden und Betreuungsplätze wirksam garantieren. …“ | http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/die-partei-elf-fragen-wolfgang-karl_605817

Anna-Maria Schneider „Bundestagskandidat Armin Kabis fordert den Bau einer Mauer zur Schweiz“ (19.09.2017): “ … Der Tengener Altenpfleger ist froh, wenn der Wahlkampf für ihn vorbei ist. Trotz all der Politikverdrossenheit zollt er seinen Wahlkampfkollegen den größten Repekt: „Ich ziehe den Hut vor all den Politikern, die regelmäßig in den Fußgängerzonen stehen, ohne Aussicht auf ein Mandat“, sagt er und zeigt auf den SPD-Stand gegenüber. Ihm habe der Wahlkampf zwar großen Spaß gemacht, doch bereiten ihn die Gespräche mit den Wählern auch Sorgen. Seine politische Enttäuschung führte ihn zur Satire-Partei, viele andere hätten sich der populistischen AfD zugewandt. Ohne sich mit deren Inhalten auseinanderzusetzen, wie er bemängelt. Kabis blickt alles andere als hoffnungsvoll in die deutsche Zukunft und wird zum Schluss philosophisch: „Vielleicht ist Die Partei auch nur die Begleitmusik zum Untergang, ähnlich dem Dadaismus in den Zwangziger Jahren, bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen“. Ein bisschen Klamauk mache die ernste Situation erträglicher. Es sind resignierte Worte eines müden Altenpflegers, der nebenher einen Bundestagskandidaten spielt. Doch der Moment der Schwäche ist gleich vorbei und Kabis findet zurück in seine Rolle. Zum Abschied drückt er die Hand und sagt „Wir sehen uns dann ja nicht mehr, ab nächster Woche bin ich in Berlin“. Wieder hat er alle Lacher auf seiner Seite. …“ | https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/kreis-konstanz/Bundestagskandidat-Armin-Kabis-fordert-den-Bau-einer-Mauer-zur-Schweiz;art372432,9418673

lemonhorse / 19 September 2017 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemonhorse / 16 September 2017 / Found.Stuff, Kiel.Refugium, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 14 September 2017 / Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 13 September 2017 / Kiel.Refugium, Visual.Notes / 0 Comments

[RWF #3… ]

Filmstill 4 Despair 1978
Despair – Eine Reise ins Licht (Rainer Werner Fassbinder, 1978)

// mathiasdeepred (2011): “ … DESPAIR wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit enormen Erwartungen uraufgeführt und erntete eher ernüchternde Kritiken. Auch die Zuschauer zeigten sich nur mäßig beeindruckt von Fassbinders intellektuellem Spiel um Doppelgänger und Spiegel, ein Thema, das ihn seit jeher faszinierte. Umso größer war die Enttäuschung des Regisseurs, der hier erstmals mit Schauspielern vom Kaliber eines Dirk Bogarde zusammen arbeiten konnte. Die ursprünglich drei Stunden lange Version von DESPAIR wurde von Fassbinder und seiner Cutterin Juliane Lorenz in einer Nachtaktion von drei, bzw. zweieinhalb, auf zwei Stunden heruntergekürzt (der im Vorspann angegebene Cutter Franz Walsch ist ein gängiges Fassbinder-Pseudonym). Nach der schwachen Kinoauswertung verschwand DESPAIR in der Versenkung … Bogarde, der DESPAIR als einen seiner wichtigsten Filme bezeichnete und ihn stets gegen jede Kritik verteidigte, spielen wie üblich viele Fassinder-Vertraute wie Volker Spengler, Ingrid Caven, Peter Kern, Adrian Hoven und Hark Bohm. Andrea Ferrèol aus dem „Großen Fressen“ (1973) ist eine hinreißende Lydia. Fassbinders Lebensgefährte Armin Meier spielt gleich drei Rollen – in einem Film-im-Film (eine der besten Sequenzen von DESPAIR, in der Fassbinder den Hollywood-Gangsterfilm der 30er imitiert) gibt er sowohl einen Polizisten als auch dessen Zwillingsbruder, einen Gangster, und dann taucht er noch als Arbeiter in der Schokoladenfabrik auf, quasi als Doppelgänger von zwei Doppelgängern. Das Thema des Doppelgängers, bzw. Stellvertreters, findet sich in unzähligen Fassbinder-Werken und wird hier künstlerisch auf die Spitze getrieben. Viele Kritiker und Zuschauer störten sich an der Tatsache, dass Klaus Löwitsch Bogardes Ebenbild darstellen soll, diesem aber nicht mal annähernd ähnelt. … DESPAIR ist ein sperriger Film …“ | https://deepreds-kino.blogspot.de/2011/11/despair-eine-reise-ins-licht-1978.html

// 000 (am 12. März 2008):“ … Genial spielt Dirk Bogarde den in den Wahnsinn hinübergleitenden Herman Herman. Diese Entwicklung spielt sich zum größten Teil in Bogardes Gesicht ab und in den Monologen über seine russische Mutter, die er in einer Szene als Person mit fettem wabbeligen Gesicht, dann wieder als wunderschöne Frau, die vor dem Zaren tanzte, beschreibt. Sie belegen seinen Realitätsverlust. Aus Angst vor der Realität- drohender Konkurs seiner Schokoladenfabrik, seine einfältige Ehefrau betrügt ihn vor seinen Augen mit ihrem Cousin, der sich wiederum bei ihm durchschlaucht und aufgeschreckt durch den aufkommenden Nationalsozialismus und die ersten Gewalttaten gegen Juden, die er von einem Straßencafé in Berlin aus beobachtet, flüchtet er sich in eine irreale Welt und in eine neue Identität. Beeindruckend ist auch Andrea Feréol als nymphomanische und einfältige Ehefrau. Der Film ist nicht einfach zu verstehen, man muss ihn daher mehrfach sehen …“ | https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/RYDR1LH2J4NOV/ref=cm_cr_dp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=B00004RRPS

lemonhorse / 13 September 2017 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

lemonhorse / 12 September 2017 / Akustische.Wellen, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Zur intrinsischen Logik des Kapitalismus #1… ]

Intrinsische Eigenschaften gehören zum Gegenstand selbst und machen ihn zu dem, was er ist.
// https://de.wikipedia.org/wiki/Intrinsisch

amadeusw #48 — 21. Oktober 2008, 8:23 Uhr: “ … Geld hat ein Eigenleben entwickelt und wird gehandelt wie Würstchen oder Autos … Das Regulativ der Warenproduktion ist außer Kraft gesetzt worden. Das Geld lässt sich in beliebige Höhe an virtuelle Werte binden, die dann in Form von Geldabkömmlingen – Derivaten – gehandelt werden. Die Folgen sind bekannt. … “ | http://www.zeit.de/2008/43/Zukunft-des-Neoliberalismus?cid=163992#cid-163992

“ … In seiner Autobiographie schrieb er [Karl Popper] später, er sei [ ] viele Jahre ein Sozialist geblieben, habe an ein einfaches Leben in einer egalitären Gesellschaft geglaubt, aber dann erkannt, dass dies nur ein schöner Traum gewesen sei; dass Freiheit wichtiger sei als Gleichheit, dass Gleichheit die Freiheit gefährde, und dass es, wenn die Freiheit verloren ginge, nicht einmal Gleichheit unter den Unfreien gebe. … Der Linguist Noam Chomsky veröffentlichte 1998 Profit over People – Neoliberalism and Global Order. Er vertritt darin die Ansicht, der Neoliberalismus habe seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher weltweite Hegemonie erlangt. Dies habe zur Privilegierung weniger Reicher auf Kosten der großen Mehrheit geführt. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus

Rainer Voss (Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker), 16.08.2017: “ … die Frage, wie lange wir noch diese unverrückbare, intrinsische Logik des Kapitalismus widerspruchslos akzeptieren, stellt sich immer dringender. In Zeiten, in denen wir täglich erleben, wie die Wirtschaft die Politik vorführt, Wachstum und Arbeitsplätze – gleich welcher Qualität – das Allheilmittel für alle irdischen Probleme sind … Dass das Kapital weiter an dem Ast sägt, auf dem es sitzt, mögen einige Zahlen aus der Zeitung „Guardian“ verdeutlichen: 51 Prozent der Amerikaner zwischen 18 und 29 stehen dem Kapitalismus skeptisch gegenüber! 77 Prozent der Deutschen aller Altersgruppen teilen diese Meinung und drei Viertel der Bürger der bedeutenden Wirtschaftsnationen halten Großunternehmen für korrupt. Der Kapitalismus ist ein eindimensionales System, das Ungleichheit fördert und in der gegenwärtigen Form nicht in der Lage ist, den Herausforderungen einer vernetzten Welt gerecht zu werden. …“ | http://www.fr.de/wirtschaft/gastwirtschaft/boersen-das-kapital-saegt-am-ast-a-1332470

Fritz Grimm • vor 25 Tagen: “ … „77 Prozent der Deutschen aller Altersgruppen teilen diese Meinung und
drei Viertel der Bürger der bedeutenden Wirtschaftsnationen halten Großunternehmen für korrupt.

Und dennoch wollen lt. Umfragen zurzeit beinahe 40% die CDU mit Merkel wieder wählen. Dazu noch: Gemäß einer schon etwas weiter zurückliegenden Umfrage, denken zwischen 70 und 80 % der Deutschen sozialdemokratisch. …“

“ … Karl Marx brachte die zweite Hälfte des Manuskripts zum ersten Band höchstpersönlich mit dem Dampfer am 10. April 1867 nach Hamburg. Zu groß war seine Sorge, dass Bismarcks Geheimagenten sein Werk abfangen könnten. Angeblich war eine Agentin auf ihn angesetzt, aber die Damen waren bei der sehr stürmischen Überfahrt „seasick kotzend“ außer Gefecht gesetzt, wie Marx an Friedrich Engels schrieb, den Freund und Finanzier. … Heute wird diese Erstausgabe in einer Ausstellung in Hamburg gezeigt und steht für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf, ein Hinweis auf den Fetischcharakter der Ware. …“ | https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Das-Kapital-von-Karl-Marx-erschien-vor-150-Jahren-3825823.html?artikelseite=all (Aus „Missing Link: „Das Kapital“ von Karl Marx erschien vor 150 Jahren“ von Detlef Borchers, Jürgen Kuri (10.09.2017))

“ … Jürgen Bönig: [Karl Marx] hat immer gesagt: Die Handelsbourgeoisie kauft billig ein, um teuer zu verkaufen, und begreift dabei gar nicht, was Produktion ist. Das hat er in Hamburg beobachten können, aber eben nicht ausschließlich hier. Er hat sich wenig über Hamburger Kaufleute ausgelassen und auch nicht erwähnt, wen er alles persönlich getroffen hat. Da gibt es noch eine Menge zu erforschen. Das Hamburger Bürgertum wollte durch Karl Marx später […] nicht an seine preisgegebenen republikanischen Ideale erinnert werden. Und da Marx nach dem Zweiten Weltkrieg von der DDR ideologisch in Anspruch genommen wurde, blendete man Hamburg und Marx‘ Verbindung zu den Bürgern bewusst aus, einfach weil es im Westen liegt. …“ | https://www.abendblatt.de/kultur-live/article211834483/Die-Spuren-des-Nationaloekonomen-Karl-Marx-in-Hamburg.html (INTERVIEW: Die Spuren des Nationalökonomen Karl Marx in Hamburg, Von Matthias Gretzschel (06.09.2017))

tbc

lemonhorse / 11 September 2017 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #41… ]

Reichtum braucht Armut. (hammerling 10.09.2017, 13:27 Uhr)

Harald Schumann, Elisa Simantke (10.09.2017): “ … Die wachsende Zahl der Arbeitnehmer in unsicheren, befristeten Arbeitsverhältnissen sowie gering entlohnten Teilzeitjobs ist Folge einer fehlgeschlagenen Deregulierung der europäischen Arbeitsmärkte und schadet der Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Recherche des Journalistenteams Investigate Europe. Betroffen sind vor allem die Jüngeren: EU-weit ist ein Drittel der Arbeitnehmer im Alter von 25 bis 39 nur befristet oder in Teilzeit beschäftigt, die allermeisten gegen ihren Willen, ergab eine Auswertung von Eurostat-Daten. Die Not mit den miesen Jobs hat viele Gesichter: Mal sind es Werkverträge ohne Kranken- und Sozialversicherung, mal sind es Teilzeitjobs, die nicht zum Leben reichen. Mal müssen sich die Betroffenen von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln, oder sie müssen als Scheinselbstständige und Leiharbeiter ihr Dasein fristen. Die Methoden unterscheiden sich je nach Land und nationaler Gesetzgebung, doch die Konsequenz ist immer dieselbe: Zig Millionen EU-Bürger müssen sich mit unsicheren und gering entlohnten Jobs durchschlagen, die ihnen keine Lebensperspektive bieten – mit wachsender Tendenz. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will den Trend sogar verstärken. … Dabei läuft Europas Wirtschaft so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Allein in der Eurozone fanden seit Ende 2012 über fünfeinhalb Millionen Menschen eine neue Arbeit. Doch vier von fünf dieser neuen Jobs bieten nach Angaben von Eurostat, dem statistischen Amt der EU, nur Teilzeit oder sind befristet und meist niedrig entlohnt. …“ | http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/befristet-scheinselbststaendig-in-leiharbeit-die-deregulierung-der-arbeitsmaerkte-draengt-millionen-europaeer-in-armut/20301470.html

fritz 10.09.2017, 11:31 Uhr: “ … Die leider viel zu früh verstorbene Tagesspiegel-Redakteurin Tissy Bruns sagte es mit einem Satz: Mehr Arbeit gab es nur, wo sie billiger und rechtloser wurde. Das war politisch gewollt, und wir sollten nicht vergessen, wem wir das zu verdanken haben. …“

Garzauer 10.09.2017, 11:51 Uhr: „… Man muß jetzt nicht auf Macron zeigen. Erinnert sich wirklich keiner mehr wie Schröder 1998 Kanzler wurde mit dem großen Wahlversprechen 1 Mio Arbeitslose in Jobs zu bringen? Die VW-Vorstände hatten ihn vorher gebrieft wie das funktioniert. Und so hat er es umgesetzt und so haben wir es heute. Der Ausstieg Lafontaines und das anschließende Schisma der Sozis, das bis heute anhält, war keineswegs nur Schmierentheater. …“

Sandbaenker 10.09.2017, 11:51 Uhr: “ … Scheinselbstständige und Leiharbeiter – Ein System, dass nur graduell abweicht von Praktiken bei denen der Fabrikbesitzer oder Großbauer morgens per LKW Tagelöhner für einen Tag einsammelt. Ähnlich wie der Straßenstrich …“

Gophi 10.09.2017, 14:24 Uhr: “ … Die Prekarisierung ist vor allem menschlich und gesellschaftlich ein Desaster. Aus unserer Sozialen Marktwirtschaft und unserer Freiheitlich Demokratischen Grundordnung, wie sie in den ’70er Jahren noch funktionierte, wird langsam und sukzessive ein Wirtschaftsfeudalismus. …“

an-1 10.09.2017, 15:10 Uhr: “ … Ich frage jene, die sich der politischen Ökonomie verschrieben haben, ich frage die Moralisten, ob sie schon die Zahl der Menschen berechnet haben, die zum Elend verdammt sind, zu unverhältnismäßigen Arbeitsleistungen, zu Demoralisierung, Schmach, Unwissenheit und zum Ruin, zu unüberwindbarem Unglück und absoluter Entbehrung – nur um einen einzigen Reichen zu produzieren. (Almeida Garrett in „Der Mönch von Santarem“, 1842 geschrieben und erstaunlich aktuell) …“

fritz 10.09.2017, 14:30 Uhr: “ … Aus den Düsseldorfer Leitsätzen der CDU/CSU von 1949: Die christliche Arbeitsordnung geht von der Würde des arbeitenden Menschen aus. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von einer Auffassung, die den Menschen nur nach seiner Arbeitskraft wertet. Die menschliche Arbeit ist keine Ware, sondern sittliche Leistung und Grundlage der körperlichen und seelischen Entfaltung des Menschen. … Der Lohn muss der Arbeitsleistung entsprechen und soll nicht nur für eine angemessene Lebensführung des Arbeitnehmers, zu der auch die Teilnahme am Kulturleben gehört, ausreichen, sondern auch die Gründung und Erhaltung einer Familie sichern. Der Ertrag einer wirtschaftlichen Unternehmung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Arbeit, Kapital und Unternehmensleistung. Die Arbeitnehmer haben daher Anspruch auf einen gerechten Anteil am Ertrag des Unternehmens. — Das waren noch Zeiten! …“ // http://www.kas.de/upload/ACDP/CDU/Programme_Bundestag/1949_Duesseldorfer-Leitsaetze.pdf

Gophi 10.09.2017, 14:40 Uhr – Antwort auf den Beitrag von fritz 10.09.2017, 14:30 Uhr: “ … Derartige Leitsätze würde man heute eher bei der Linken verorten. Und da reden viele von der SPD-isierung der CDU unter Merkel! …“

// “ … facts and analysis of our interdependence are rare issues in European media. Only networks and teams with members from across Europe are able to collect and decipher this information. We are such a team. Coming from France, Germany, Greece, Italy, Norway, Poland, Portugal and Great Britain, we are nine experienced reporters. Our working method is to research issues simultaneously, share all information and report in our respective national media, having crosschecked facts and potential national bias. …“ | http://www.investigate-europe.eu/en/about/ (09/2017)

lemonhorse / 11 September 2017 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht Seienden #16… ]

Thomas Metzinger (06.09.2017): “ … Humanoide Roboter lösen etwas in uns aus, was ich „soziale Halluzinationen“ nenne. Wir Menschen haben die Fähigkeit, uns einzubilden, es mit einem selbstbewussten Gegenüber zu tun zu haben, auch wenn das nicht der Fall ist. Davon gibt es Vorstufen: Kinder und Naturvölker glauben oft an eine beseelte Natur. Wenn der Computer spinnt, brüllen wir ihn an. Andere Menschen lieben ihr Auto oder vermissen ihr Handy. … Wirkt der Roboter zu echt, finden das viele Menschen tatsächlich gruselig. Forscher nennen diese Grauzone „uncanny valley“, das unheimliche Tal. Das ist wie in einem Horrorfilm. Wenn wir merken, da schaut uns etwas an, das eigentlich tot ist, rührt das an Urängste. … Ich kann mir […] vorstellen, dass in 20 Jahren in einem ethischen Streitgespräch mal jemand auf den Tisch haut und sagt: „Jetzt mal langsam, das ist bloß eine Maschine!“ Und die Antwort dann lautet: „Wie? Maschine? Das ist mein Freund! Immer gewesen.“ …“ | Aus: „Menschen gegen Roboter „Der Evolution ist ja egal, ob wir glücklich sind““ (06.09.2017) | http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/menschen-gegen-roboter-der-evolution-ist-ja-egal-ob-wir-gluecklich-sind/20268974-all.html

lemonhorse / 7 September 2017 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

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